Aufnahme Unsere Erfahrungen Unsere Rahmenbedingungen Zielgruppen    

Aufnahme

Über die Möglichkeit, ein Kind aufzunehmen, können Sie sich jederzeit telefonisch oder per Mail an uns wenden. Wir bemühen uns, ihnen sofort, oder nach kurzer Rücksprache, unsere aktuelle Situation mitzuteilen. Soweit möglich ist, wollen wir die Bedürfnisse des Kindes in den Vordergrund stellen.

Da wir uns nicht als Heim, sondern als Familie verstehen, bitten um Verständnis, dass ein neues Kind bezüglich seines Alters und Geschlechtes in die "familiäre Dynamik" der jeweiligen Hauses passt, in dem ein Platz frei ist.

Sollte eine Aufnahme möglich sein, sollten Sie, und die Bezugspersonen des Kindes, uns besuchen, um die Lebensbedingungen unmittelbar kennen zu lernen. Der Kontakt zu unseren anderen Kindern ist uns dabei sehr wichtig. Ziel sollte sein, dass das Kind sich selbst für uns entscheidet und auch die Bezugspersonen innerlich mit gutem Gewissen zustimmen können.

Da wir im Regelfall Kinder aufnehmen, die in anderen Hilfesystemen nicht mehr ausreichend gefördert werden konnten, bleiben die Kinder meist langfristig bei uns. Daher hat die bewusste Entscheidung für unsere Lebenskultur aller Beteiligten eine große Bedeutung. Diese "Entscheidungsarbeit" muss im Aufnahmeverfahren geleistet werden, um eine tragfähige Basis auch für zukünftige Konflikte sicher zu stellen.

In Einzelfall kann erforderlich sein, die Aufnahme mit der Schule abzustimmen, besonders wenn eine besondere Form der Beschulung erforderlich ist.

Unsere Entscheidung machen wir weniger von der Vorgeschichte und den Vorinformation abhängig, sondern davon, wie wir das Kind selbst erleben und wie es sich selbst für uns entscheidet.

Unsere Erfahrungen

Nachfolgend eine kurze Beschreibung der Erfordernisse für traumatisierte Kinder und der sich daraus ergebenden Bedingungen, wie sie für uns leitend waren.
Besonders wichtig ist für uns, die erheblichen Folgen von Traumen in der Seele und im Leben der betroffenen Menschen nicht nur zu lindern, sondern soweit wie möglich auszuheilen. Dies erfordert eine längere Wegstrecke, die umso bessere Heilungschancen bietet, je früher die erforderlichen Hilfen einsetzen. Es muss frühzeitig vermieden werden, dass sich die durch das Trauma bedingten Abwehr und Bewältigungsstrategien zur Persönlichkeit werden und zum Lebensstil verfestigen. Dies ist umso schwieriger, je früher und damit prägungswirksamer sich die Traumen ereigneten, weil damit fast immer grundlegende Bindungsstörungen verbunden sind.
Wir haben unsere Rahmenbedingungen speziell für schwer und damit früh traumatisierte Kinder ausgerichtet. In der Regel sind dies Kinder, die massivste Gewalt (Vernachlässigung, Misshandlung, Missbrauch) über längere Zeit hinweg erfahren mussten.
Seitens des Hilfebedarfs sind es Kinder, die intensive und fachlich spezifische Hilfen benötigen, sowie ein heilendes Milieu, das alle Lebensbereiche des Kindes einschließt.
Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen jedoch auch, dass der Grund der Anmeldung oft die Überforderung anderer Hilfesysteme ist. Unsere Kinder haben daher oft eine lange Maßnahmekarriere hinter sich, worin sie oft zusätzlich traumatisiert wurden.

Unsere Rahmenbedingungen

Die Traumatisierung der Kinder erfolgte fast ausschließlich im familiären Umfeld durch Eltern und Familienangehörige, so dass das Herkunftssystem erheblich belastet und eine Rückkehr ausgeschlossen ist. Kinder bedürfen jedoch für ihre Gesundung und Reifung Familie, Heimat und die Beziehung zu Eltern und Verwandten. Fällt all dies aus, muss es für das Kind neu aufgebaut werden. Die ideale Bedingung hierzu bietet sicher eine Pflegefamilie, welche kompetent, stabil und tragfähig ist, die enormen Belastungen eines traumatisierten Kindes und die Spannungen der Beziehungen zum Herkunftssystem auszuhalten. Die Erfahrungen zeigen jedoch auch, dass in der Regel die Pflegefamilie hierdurch überfordert wird und das Pflegeverhältnis wieder gelöst werden muss, um nicht auch noch die Pflegefamilie in ihrer Existenz zu gefährden. Diese erneute Trennung bringt erhebliche Belastungen für beide Teile mit sich, bis hin zu einer Retraumatisierung des Kindes. Diese Situationen ergibt sich oft dadurch, dass sich traumatisierte Kinder in der Anfangszeit meist gut anpassen können und ihre belastenden Probleme erst sichtbar werden, wenn sie sich entsprechend sicher fühlen.

Es ist die unabdingbare Ausgangsbasis jeder Arbeit mit traumatisierten Menschen, die in fast allen Lebensbezügen verunsichert sind, Sicherheit und Verlässlichkeit zu bieten, damit sie wieder Vertrauen fassen können, um sich mit Beziehungen und dem Leben wieder einzulassen. Vorrangig ist die Sicherheit in Beziehungen. Vor allem Kinder brauchen die Sicherheit, dass andere Menschen es beschützen und es behutsam und liebevoll in das Leben geleiten. Sicherheit ist auch die Bedingung, dass sich die durch das Trauma bedingten vielfältigen Verhaltensauffälligkeiten zeigen können. Nur wenn das Kind sich traut (für die Beteiligten oft leidvoll) diese erlernten und geprägten Überlebensmuster auch auszuleben, kann es sie in ihrer lebensfeindlichen Wirkung erkennen und langsam überwinden. Vertrauen bietet einzig auch die Bedingung, dass die belasteten Erlebnisse in der Lebensgeschichte angeschaut und integriert werden können. Diese grundsätzlichen Erfordernisse sind die Basis unseres heilenden Milieus. Wir bieten unseren Kindern neben fachlich spezifischen Hilfen, die Sicherheit eines familiären Rahmens, Heimat und elterliche Beziehungen. Es ist unsere klare Absicht, unsere Kinder in unserem Umfeld und unserer Lebenskultur zu beheimaten und ihnen zu den bei uns wirkenden und meist auch in unserem Anwesen wohnenden Menschen eine elterliche Beziehung zu ermöglichen. Zu dieser "elterlichen" Verantwortung gehört auch, das Kind nicht nur in schwierigen Lebensabschnitten zu begleiten (Pubertät), sondern ihm auch an den Schwellen der beruflichen und gesellschaftlichen Eingliederung beizustehen. All diese erfordert eine längerfristige Unterbringung, welche die berufliche und soziale Integration einschließt. Für Kinder, die sich bei uns beheimatet haben und für die wir zur Familie geworden sind, werden wir auch nach der Zeit der offiziellen Hilfe durch das Jugendamt in der Verantwortung bleiben und die gewachsene Beziehung weiter leben.


Zielgruppen

Zielgruppe nach Störungsursachen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Es gibt sehr vielfältige Bedingungen, welche einen Menschen traumatisieren und zu einem akuten oder chronischen posttraumatischen Belastungssyndrom (PTBS) führen können. Dies ist von den Begleitbedingungen abhängig und von der Art und Weise, das Trauma individuell zu verarbeiten.

  • sexualisierte Gewalt und sexueller Missbrauch
  • körperliche und psychische Misshandlungen
  • Verwahrlosung und Vernachlässigung durch erziehungsunfähige Eltern
  • Psychodynamik psychisch kranker, oft psychotischer Eltern
  • Alkoholismus und Drogenabhängigkeit im Elternhaus
  • Ausagieren elterlicher Konflikte im Kind
  • Borderline-Eltern oder selbst sexuell traumatisierte Eltern
  • Miterleben von Gewalt gegenüber Dritten, insbesondere emotional nahe stehenden Menschen
  • gewalttätige Übergriffe, Misshandlungen und Folter
  • kriminelle Handlungen, wie Kidnapping, Überfall und Mord
  • Kinderprostitution und Kinderpornographie
  • ritualisierte Traumatisierung durch Satanismus und Sekten
  • Miterleben von Kriegshandlungen
  • Natur- und Verkehrskatastrophen
  • schwere Unfälle
  • lebensbedrohliche Krankheiten und medizinische Eingriffe
  • Verlust vertrauter Menschen und der sozialen Sicherheit

Zielgruppe nach Störungsbildern (Symptome)

Bei traumatisierten Kindern und Jugendlichen findet man ein breites Spektrum an spezifischen Symptomen (z.B.: Dissoziation), aber auch viele unspezifische Symptome (z.B.: Essstörungen), die auch in anderen Krankheiten und Störungen auftreten können und deren Verursachung durch ein Trauma oft verkannt wird.
(Die Auflistung erfolgt ohne Systematik und Zuordnung zu bestimmten Fachdisziplinen.)

  • Dissoziationen (Einbrechen der ursprünglichen Trauma-Wirklichkeit)
  • Dissoziative Identitätsstörung oder multiple Persönlichkeitsstörung
  • Latente oder manifeste Suicidalität
  • Triggeranfälligkeit (Auslöser, die mit dem Trauma in Verbindung gebracht werden)
  • Intrusionen, Flashbacks, Albträume
  • Ich- oder Identitätsschwäche, Selbstunsicherheit
  • Depersonalisation, Derealisation (Störungen der Wahrnehmung, der eigenen Person und der Realität)
  • Hypervigilanz (Überwachheit als unbewusste Aufmerksamkeit auf mögliche Gefahren)
  • Konzentrationsprobleme, Tagträumerei
  • Selbstverletzendes und Selbstschädigendes Verhalten (Schneiden, Ritzen, Kratzen, Haareausreißen)
  • Depressionen und Stimmungsschwankungen
  • Emotionale Labilität, Impulsivität, Aggressionen, Wut
  • Scham- und Schuldgefühle
  • Rückzugsneigung bis hin zum Autismus
  • Schlafstörungen, Schlafwandeln
  • Regressionen wie Bettnässen, Daumenlutschen und Infantilisierung der Sprache und des Verhaltens
  • Vermeidungs- und Ausweichverhalten
  • Angstzustände, Angstattacken, Panikzustände und Phobien
  • Magisches Denken
  • Verleugnung und Falschinterpretation (weil ich so bin, ist das passiert)
  • Psychosomatische Probleme (Hautprobleme, Bauch-, Blasen-, Kopfschmerz, gynäkologische Probleme)
  • Essstörungen bis hin zur Nahrungsverweigerung
  • Probleme der eigenen Körperwahrnehmung
  • Borderlinestörung
  • Entwicklungsstörungen
  • Schulleistungsprobleme (meist Folge der Konzentrationsprobleme und der psychischen Erschöpfung durch Schlafstörungen und Überwachheit)
  • Sexualstörungen bis hin zur Prostitution
  • Verhaltensprobleme vielfältiger Art (Aggressionen, Gewalttätigkeit, Rohheit)
  • Drogen-, Medikamentenabhängigkeit
  • Soziale Probleme
  • Zwangshandlungen (Lebensmittel horten, Wasch- und Kontrollzwang, ritualartiges Berühren von Gegenstän-den)

Zielgruppe nach Alter
Das Kriterium für die Aufnahme ist für uns weniger das Lebensalter, sondern die Art der Störung, für die wir kompe-tente Hilfe anbieten können.
  • Kinder (wenn es die besondere Situation erfordert, sind wir auch bereit, Kinder vor dem Schulalter aufzunehmen.
  • Jugendliche
  • Junge Volljährige