{"id":4618,"date":"2021-01-13T21:35:40","date_gmt":"2021-01-13T21:35:40","guid":{"rendered":"https:\/\/confido-initiativen.de\/?page_id=4618"},"modified":"2021-03-04T13:49:05","modified_gmt":"2021-03-04T13:49:05","slug":"heilende-kraefte-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/confido-initiativen.de\/index.php\/2021\/01\/13\/heilende-kraefte-3\/","title":{"rendered":"Die Suche von heilenden Kr\u00e4ften"},"content":{"rendered":"<a href=\"javascript:history.back();\">Zur\u00fcck (vorhergehende Seite)<\/a>\n\n\n\n<div style=\"height:27px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\t\t\t\t<div class=\"wp-block-uagb-table-of-contents uagb-toc__align-left uagb-toc__columns-1  uagb-block-092d8c79 AB     \"\n\t\t\t\t\tdata-scroll= \"1\"\n\t\t\t\t\tdata-offset= \"155\"\n\t\t\t\t\tstyle=\"\"\n\t\t\t\t>\n\t\t\t\t<div class=\"uagb-toc__wrap\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"uagb-toc__title\">\n\t\t\t\t\t\t\tInhaltsverzeichnis\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"uagb-toc__list-wrap \">\n\t\t\t\t\t\t<ol class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#1-die-weisheit-der-betroffenheit\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">1.\u00a0 Die Weisheit der Betroffenheit<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#2-heilung-und-therapie\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">2.\u00a0 Heilung und Therapie<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#3-heilende-beziehung\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">3.\u00a0 Heilende Beziehung<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#4-der-glaube-an-das-kind\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">4.\u00a0 Der Glaube an das Kind<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#5-die-55-38-7-regel\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">5.\u00a0 Die 55-38-7-Regel<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#6-sprachcodes\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">6.\u00a0 Sprachcodes<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#7-die-kraft-innerer-bilder\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">7.\u00a0 Die Kraft innerer Bilder \u00a0<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#8-freiheit-das-h\u00f6chste-gut\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">8.\u00a0 Freiheit &#8211; das h\u00f6chste Gut<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#9-vertrauen-zeugt-freiheit\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">9.\u00a0 Vertrauen zeugt Freiheit<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#10-vertrauen-und-offenheit\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">10.\u00a0\u00a0 Vertrauen und Offenheit<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#11-die-elementaren-bed\u00fcrfnisse-eines-kindes\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">11.\u00a0\u00a0 Die elementaren Bed\u00fcrfnisse eines Kindes<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#12-die-innere-adoption\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">12.\u00a0\u00a0 Die innere Adoption<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#13-\u00fcbertragung\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">13.\u00a0\u00a0 \u00dcbertragung<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#14-familiarit\u00e4t\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">14.\u00a0\u00a0 Familiarit\u00e4t<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#15-m\u00fctterlichkeit\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">15.\u00a0\u00a0 M\u00fctterlichkeit<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#16-saatk\u00f6rner-pflanzen-geduld\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">16.\u00a0\u00a0 Saatk\u00f6rner pflanzen &#8211; Geduld<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#17-v\u00e4terlichkeit\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">17.\u00a0\u00a0 V\u00e4terlichkeit<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#18-vaterpr\u00e4gungen\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">18.\u00a0\u00a0 Vaterpr\u00e4gungen<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#19-geschwisterlichkeit\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">19.\u00a0\u00a0 Geschwisterlichkeit<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#20-spiel\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">20.\u00a0\u00a0 Spiel<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#21-heimatlichkeit\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">21.\u00a0\u00a0 Heimatlichkeit<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#22-kultur\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">22.\u00a0\u00a0 Kultur<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#23-zuhause\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">23.\u00a0\u00a0 Zuhause<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#24-besitz-und-adel\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">24.\u00a0\u00a0 Besitz und \u201eAdel\u201c<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#25-k\u00f6rperlichkeit\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">25.\u00a0\u00a0 K\u00f6rperlichkeit<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#26-der-engelkreis\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">26.\u00a0\u00a0 Der Engelkreis<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#27-prognose\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">27.\u00a0\u00a0 Prognose<\/a><\/ol>\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">1.&nbsp; Die Weisheit der Betroffenheit<\/h1>\n\n\n\n<p>Die Richtung unserer Suche gab uns die Erfahrungen von traumatisierten Menschen vor. Betroffene, die sich ihrem Schicksal gestellt und dieses in ihr Leben integriert haben, verf\u00fcgen \u00fcber eine besondere Kompetenz f\u00fcr die Heilung (Expertentum der eigenen Betroffenheit). Diese gilt in vielen anderen Bereichen auch. So war es konsequent, betroffene Menschen mit auf den Weg zu nehmen. Dabei mussten wir jedoch ern\u00fcchternd erkennen, dass dies nur m\u00f6glich ist, wenn jemand den Mut hat, sich selbst ehrlich anzusehen und Schritte der Ver\u00e4nderung zu wagen, d. h. zu vertrauen, die Brille des Misstrauens abzulegen und sich aus der Falle des Selbstmitleids zu befreien. Zu einem Wegweiser wurden f\u00fcr uns die Worte einer Betroffenen, die uns sehr inspirieren und ermutigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In der Liebe neu geboren werden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Heilung ist nur durch etwas m\u00f6glich, was ich als \u201eneue Geburt\u201c bezeichne. Doch dies ist ein besonderer Weg, der nicht in den Lehrb\u00fcchern steht und der nicht an Universit\u00e4ten und Ausbildungsst\u00e4tten gelehrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem qu\u00e4lenden Lernprozess, der uns an die Grenze des Lebens f\u00fchrt und oft noch dar\u00fcber hinaus, in dem wir in das Totenreich hinabsteigen, werden wir neu geboren. Wir k\u00f6nnen das Leben nicht auf dem normalen Weg eintreten, wie ein Kind es betritt, gef\u00fchrt an der Hand eines liebevollen Vaters, auf den wir uns ganz hingebend verlassen k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen es auf anderen Wegen betreten, auf einer Br\u00fccke, die uns ein Mensch in seiner Liebe baut.<\/p>\n\n\n\n<p>So ist unser Weg auch eine gro\u00dfe Chance, die wir euch allen voraus haben, die ihr einen kindlichen Weg in das Leben gehen durftet. Wir betreten das Leben in der Liebe, denn sie ist unser einziger Weg, unser Leben zu finden. Im ehrlichen \u201eDU\u201c eines Menschen werden wir ICH, und k\u00f6nnen die Schuld, die Scham und die Neigung uns auszul\u00f6schen und uns unwert f\u00fcr das Leben zu empfinden, \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im wahrhaftigen \u201edu\u201c habe ich erfahren, dass ich ein Recht habe zu leben, und liebenswert und liebensw\u00fcrdig bin. Darin habe ich erkannt, dass ich ein Recht und auch eine Pflicht habe ich-werdend zu leben und nicht nur Opfer in den Machtpl\u00e4nen von T\u00e4tern zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Liebe bin ich zur Freiheit erwacht, doch um den Preis, dass ich nun f\u00fcr mich verantwortlich wurde. Doch was sehr schmerzlich ist, auf all das zur\u00fcck zu blicken, was nicht gelebt wurde, ja was an Leben zerst\u00f6rt wurde. Dies l\u00f6st eine tiefe Trauer aus, Trauer um das nicht gelebte Leben. Aber einen anderen Weg gibt es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch gibt es auch eine gro\u00dfe Angst vor der Liebe und darin auch eine gro\u00dfe Angst vor N\u00e4he, die bei uns allen zu finden ist. Jede Ann\u00e4herung macht uns panische Angst, l\u00f6st Abwehr, Gegengewalt, Flucht und den Impuls aus, uns auszul\u00f6schen. Es ist so schwer, einem anderen Menschen zu erlauben, dass er uns nahe ist, dass er uns liebt, dass er uns ber\u00fchrt, uns ansieht, uns versteht, uns in die Arme nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Angst vor der Liebe und N\u00e4he ist die gr\u00f6\u00dfte Angst in uns, doch ist sie eigentlich die Angst unseres kleinen Ichs, das in dem Schrecken \u00fcberlebt hat. Wir m\u00fcssen Sicheres verlassen, um neu zu werden, denn das kleine sichere Leben ist nicht lebenswert und beengend wie ein Kerker, voll von Kontrolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch uns selbst zu erlauben, einen anderen Menschen zu lieben, und ihm nahe sein zu d\u00fcrfen, und ihm zu erlauben, uns nahe sein zu d\u00fcrfen, ist das Schmerzhafteste, was es auf unserem Weg gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>(Dr. Peter Schopf: Damit aus \u00dcberleben Leben werden kann \u2013 Fachtagung: Abensberg, den 24. Februar 2005)<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">2.&nbsp; Heilung und Therapie<\/h1>\n\n\n\n<p>Was diese betroffene Frau beschreibt, ist etwas ganz anderes als eine an Symptomen orientierte Therapie.<\/p>\n\n\n\n<p>Heilung erfordert einen neuen Lebensentwurf.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vergleich mit einem Haus macht es anschaulich: Traumen zerbrechen die Fundamente, die f\u00fcr ein standfestes Lebens-Haus erforderlich sind. \u00dcbliche L\u00f6sungen bestehen mehr darin, durch Reparaturen und Hilfsst\u00fctzen wenigstens ein einfaches Leben im Erdgeschoss zu erm\u00f6glichen. Dies ist jedoch ein K\u00fcmmerleben und keine Entfaltung der eigenen Lebensoptionen, worunter viele Betroffene leiden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Logik dieses Bild ist es oft erforderlich, das alte Haus abzurei\u00dfen und mit den Ziegeln auf neuen Fundamenten ein neues Lebenshaus zu erbauen. Doch bedarf es gro\u00dfen Mut, das K\u00fcmmerleben zu verlassen und die inneren Abh\u00e4ngigkeiten zu durchtrennen. Neues macht Angst, Gewohntes gibt Sicherheit, auch wenn es das Leben kostet.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Bild macht auch den wesentlichen Unterschied zwischen Therapie und Heilung anschaulich. Heilung ist ein m\u00fchevoller Weg, das \u201eKellerkind\u201c in einen \u201eBaumeister\u201c seines Lebenshauses zu wandeln. Gelingt dies, wird aus Verk\u00fcmmerung Lebendigkeit, aus Scham Stolz und aus Schuld Zuversicht.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">3.&nbsp; Heilende Beziehung<\/h1>\n\n\n\n<p>Die Erwartung an Therapie ist, dass sie wirkt. Dies kann sie nur, wenn sie dort ansetzt, wo der Defekt vorliegt. Ein Beinbruch bedarf der mechanischen Stabilisierung und Diabetes der Gabe des fehlenden Insulins. Auch f\u00fcr ein Trauma gilt dieses Prinzip: Heilung muss dort ansetzen, wo die Verletzung vorliegt. F\u00fcr Traumen ist dieser Zielpunkt schwierig zu definieren, denn es liegt kein isolierter Defekt vor, sondern eine \u201eexistenzielle Verletzung\u201c des gesamten Menschseins.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraus folgt: Die heilende \u201eKompetenz\u201c ist prim\u00e4r nicht die Fachlichkeit, sondern eine Person, d. h. die \u201e<strong>existentielle<\/strong> <strong>Kraft<\/strong>\u201c, die ein Mensch aus seinen Wurzeln ziehen kann. Diese <strong>personale Kompetenz<\/strong> kann nicht an Universit\u00e4ten gelernt werden, sondern h\u00e4ngt von der Bewusstheit eines Menschen ab, die er auf seinem ehrlichen Lebensweg geworden ist. Wer selbst \u00fcber Urvertrauen verf\u00fcgt, kann ein zerbrochenes Urvertrauen heilen. Wer \u00fcber diese Kraft verf\u00fcgt, ist ein Wegbegleiter, ein Verb\u00fcndeter, der selbst mitgeht, weil er selbst ein Gehender, ein Weg-Mensch ist.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">4.&nbsp; Der Glaube an das Kind<\/h1>\n\n\n\n<p>Auf unserem Weg ist uns die enorme Tragweite von Erkenntnissen der Psychologie bewusst geworden, die als <strong>Pygmalion-Effekt<\/strong> beschrieben werden. Sehr eindrucksvolle Studien haben gezeigt, welche enorme Macht das innere Bild hat, das man von einem anderen Menschen hat. Ist z. B. ein Lehrer der Ansicht, dass ein Kind dumm sei, dann wird es auch messbar d\u00fcmmer; sieht er im Kind ein verkapptes Genie, dann wird es messbar intelligenter.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Effekt hat, lange bevor die experimentellen Psychologie die B\u00fchne betrat, Lao Tse erkannt und in eine sehr anschauliche Geschichte gefasst:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Mann fand eines Tages seine Axt nicht mehr. Er suchte und suchte, aber sie blieb verschwunden. Er wurde \u00e4rgerlich und verd\u00e4chtigte den Sohn seines Nachbarn, die Axt gestohlen zu haben. Er beobachtete den Sohn seines Nachbarn ganz genau. Und tats\u00e4chlich: Der Gang des Jungen war der Gang eines Axtdiebs. Die Worte, die er sprach, waren die Worte eines Axtdiebs. Sein ganzes Wesen und sein Verhalten waren die eines Axtdiebs. Am Abend fand der Mann die Axt unter einem gro\u00dfen Holzstapel. Am n\u00e4chsten Morgen sah er den Sohn seines Nachbars erneut. Sein Gang war nicht der eines Axtdiebes. Seine Worte waren nicht die eines Axtdiebes und auch sein Verhalten hatte nichts von einem Axtdieb.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die eigenen Vorstellungen vom anderen bestimmen unser Verhalten. Wer aus fachlichen Gr\u00fcnden \u00fcberzeugt ist, dass <em>\u201e<\/em><strong><em>Fr\u00fchst\u00f6rungen<\/em><\/strong><em>\u201c im Grunde genommen unheilbar sind, h\u00f6chstens in ihren Folgen gemildert werden k\u00f6nnen, <\/em>\u2026 der gleicht dem Nachbar in der Geschichte. Das Kind wird sich an diesem inneren Bild ausrichten und wird die negative Prognose best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine positive Zukunftsvision \u00fcbertr\u00e4gt sich unbewusst auf das Kind; es wird alles daran setzen, diese Erwartungen zu erf\u00fcllen. Das Schmier\u00f6l in dieser Dynamik ist der Stolz der \u201eEltern\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Fundament des bedingungslosen Glaubens an das Kind, k\u00f6nnen auch entmutigende Phasen durchgestanden werden, wenn sich die unbewussten T\u00e4terintrojekte (die im Trauma verinnerlichten T\u00e4ter, &gt; Identifikation mit dem Aggressor) destruktiv und gewaltsam melden. Gerade dann, wenn sich der Betroffene oft selbst verliert und fremd in sich und in der Welt wird, gilt es, entschlossen da zu bleiben, und das Kind nicht mit dem T\u00e4ter gleich zu setzen und damit die oft erlebte Erfahrung zu wiederholen. Das Kind von diesem inneren T\u00e4ter, und seiner Macht \u00fcber das Kind, zu befreien, ist gerade das Ziel.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">5.&nbsp; Die 55-38-7-Regel<\/h1>\n\n\n\n<p>Unser fachlicher Verstand hat ein gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis, Erkl\u00e4rungen f\u00fcr Probleme zu finden und aus diesem Verstehen heraus, auf das Kind einzuwirken, meistens durch Belehrungen und Anweisungen. Ein ehrlicher Blick macht jedoch schnell die Wirkungslosigkeit klar \u2013 das Kind hat eine andere Logik und lebt oft in einer anderen Zeit (Prim\u00e4rprozess). In der unbewussten Welt des Kindes hat nicht das Bedeutung, \u201ewas\u201c gesagt wird, sondern \u201ewie\u201c es gesagt wird. Daraus folgt, dass vorranging die \u201eKr\u00e4fte\u201c heilend wirken, die einen Zugang ins Unbewusste finden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dies belegen auch Untersuchungen von Vortr\u00e4gen: Die beim Zuh\u00f6rer erzielte Wirkung wird nur zu 7% vom Inhalt gepr\u00e4gt! Die Stimme und Sprache (d.h. Wortwahl, Klang der Stimme, Sprechgeschwindigkeit, etc.) tr\u00e4gt beachtliche 38% zur Wirkung bei. 55% der Wirkung wird durch die K\u00f6rpersprache vermittelt (wie man dasteht, die K\u00f6rperspannung, Bewegung, Handhaltung, Gestik und Mimik, etc.). Wenn dies schon bei Erwachsenen so ist, dann sehr viel mehr bei Kindern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bewusst ins Unbewusste hineinwirken zu wollen, ist eine Paradoxie. Worte kann man bewusst w\u00e4hlen, doch nicht die K\u00f6rpersprache \u2013 das Unbewusste wird es sofort erkennen. Dies gilt besonders f\u00fcr die heilenden Kr\u00e4fte: nur Unbewusstes kann ins Unbewusste hineinwirken, d. h. nicht unsere bewussten Absichten wirken, sondern was wir unbewusst sind \u2013 unsere Wesen. Unser Sein dr\u00fcckt sich unbewusst in dem \u201ewie\u201c aus, in unserer Sprache, Gestik, Mimik, Motorik, am tiefsten in der Weise, wie wir jemanden ber\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Kinder haben die gro\u00dfe F\u00e4higkeit, sich von \u00c4u\u00dferlichkeiten nicht verf\u00fchren zu lassen \u2013 sie sehen in die Seele eines Menschen. Sie sind das gef\u00fcrchtete Publikum von Magiern, denn sie lassen sich durch Tricks nicht blenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Verbinden wir dies mit dem Pygmalion-Effekt, dann sind unsere inneren Einstellungen und Erwartungen die m\u00e4chtigsten Kr\u00e4fte, die ins Unbewusste hineinwirken k\u00f6nnen. Die logisch formulierten Argumente bleiben wirkungslos \u2013 sie dienen mehr der eigenen Beruhigung. (Anmerkung: Die Realit\u00e4t des p\u00e4dagogischen Alltags wird jedoch \u00fcberwiegend von rationalen Erkl\u00e4rungen der Gedankenwelt der P\u00e4dagogen bestimmt.)<\/p>\n\n\n\n<p>Die therapeutische Methode, die dem Unbewussten eine gro\u00dfe Bedeutung beimisst, ist die <strong>Tiefenpsychologie<\/strong>. Es sind die Grundlagen unserer Fachlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">6.&nbsp; Sprachcodes<\/h1>\n\n\n\n<p>Diese Erkenntnis macht die besondere Bedeutung der Sprache bewusst, mit dem Unbewussten des Kindes in Kontakt zu kommen. Die gro\u00dfe Bedeutung von Sprache wird in der P\u00e4dagogik kaum gesehen. Die Sprache in den p\u00e4dagogischen \u201eR\u00e4umen\u201c wird vom Sprachcode der akademisch gebildeten P\u00e4dagogik bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bernstein hat gezeigt, dass in sozialen Schichten unterschiedliche \u201eSprachen\u201c gesprochen werden, was zus\u00e4tzlich die Kommunikation erschwert, denn die Kinder und die P\u00e4dagogik stammen aus unterschiedlichen Schichten und sprechen z.T. unterschiedliche Sprachen (restringierter und elaborierter Sprachcode).<\/p>\n\n\n\n<p>Hilfreich ist auch die Unterscheidung, die Freud getroffen hat: er weist dem Unbewussten seine eigene Sprache und eine eigene Weise zu Denken zu (<strong>Prim\u00e4rprozess<\/strong>: Traum, akausal, zeitlich oft ungerichtet, chaotisch \u2026). Im Gegensatz dazu ist das Bewusstsein durch eine Sprache bestimmt, in der Vernunft und Logik regieren (<strong>Sekund\u00e4rprozess<\/strong>), sie ist zeitlich klar geordnet; ihr Gesetz ist die Kausalit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Traumen, vor allem in fr\u00fchen Jahren, hinterlassen ihre Spuren im Unbewussten des Kindes. Dahinein zu wirken, bedarf einer Kommunikation, die das Unbewusste des Kindes auch verstehen kann. Die Vernunft muss zur\u00fcckstehen. Bilder, Symbole, K\u00f6perkontakt, Gef\u00fchle \u2026 bestimmen die Kommunikation, die aus dem Unbewussten kommen (das Unbewusste kommuniziert mit dem Unbewussten).<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">7.&nbsp; Die Kraft innerer Bilder &nbsp;<\/h1>\n\n\n\n<p>Kommunikation geschieht nur scheinbar \u00e4u\u00dferlich, sondern eigentlich innerlich. Nicht nur die \u00e4u\u00dferen Personen treten in Beziehung, sondern sehr viel mehr die inneren. <strong>Innere Personen<\/strong> sind die Bilder, die ich vom anderen habe und die Bilder, die der andere von mir hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem inneren Bild ist eine sehr bedeutsame Kraft verbunden: man will das innere Bild im anderen nicht entt\u00e4uschen, das man meint, das der andere von einem hat (Symbolischer Interaktionismus).<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ein Sch\u00fcler in sich das Bild hat, dass der Lehrer ihn mag, dann wir der Sch\u00fcler alles tun, um diese innere Person im Lehrer nicht zu entt\u00e4uschen, es wird lernen, um die positive Sicht zu best\u00e4tigen. Dies macht auch die Liebe zur st\u00e4rksten Kraft, denn wenn das Kind sich geliebt wei\u00df, dann wird es alles tun, diese Liebe nicht zu verlieren und ihr zu entsprechen. Dies gilt leider auch umgekehrt: wer \u00fcberzeugt ist, dass die anderen ihn nicht lieben, wer das Bild in sich tr\u00e4gt, liebensunwert zu sein, der wird sich auch so verhalten, dass er diesen Erwartungen des inneren Bildes im Gegen\u00fcber entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese inneren Bilder sind auch die Kr\u00e4fte, die traumatisierte Menschen in ihren b\u00f6sen Bann ziehen, aus dem sie sich kaum befreien k\u00f6nnen (ich bin schuld, ich bin nicht liebenswert, ich sch\u00e4me mich \u2026). Es bedarf sehr viel \u201eLiebe\u201c, damit ein Mensch diese inneren Bilder langsam aufweichen und ver\u00e4ndern kann, denn diese Erwartungen geben auch Sicherheit. Diese <strong>Selbst- und Fremdattributierungen<\/strong> zu \u00fcberwinden, ist auch deshalb so schwer, weil sie einen Gewinn mit sich bringen: sich nicht auf den m\u00fchevollen Weg der Ver\u00e4nderung machen zu m\u00fcssen. Die Worte der Betroffenen zu Beginn zeigen, wie m\u00e4chtig diese inneren Bilder sind:<\/p>\n\n\n\n<p>In einem wahrhaftigen \u201edu\u201c habe ich erfahren, dass ich ein Recht habe zu leben, und liebenswert und liebensw\u00fcrdig bin.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">8.&nbsp; Freiheit &#8211; das h\u00f6chste Gut<\/h1>\n\n\n\n<p>\u00dcber dem Erziehungsauftrag steht die existentielle Freiheit des Kindes. Sich dieser bewusst zu sein, und diese zu achten, ja zu lieben, verleiht jeder Beziehung erst ihre W\u00fcrde. Das Bewusstsein der Freiheit ist die Quelle der paradoxen Kraft, Misstrauen, Verweigerung und Ablehnung nicht nur anzunehmen, sondern sie dem Kind zuzugestehen, auch wenn es schmerzlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Vertrauen wurzelt in diesem freien Wesensgrund. Man bekommt es geschenkt; es zu fordern verletzt die Freiheit. In gleicher Weise kann auch die Verantwortung nicht gefordert werden. Verantwortung und Vertrauen sind zwei Seiten der Medaille \u201eFreiheit\u201c: ohne Vertrauen keine Verantwortung und ohne Verantwortung kein Vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer technischen Welt stehen wir in der Gefahr, auch P\u00e4dagogik und Therapie technisch als Reparatur von St\u00f6rungen zu sehen (z. B. durch Medikamente, Reparaturwerkstatt Therapie). In einem solchen Modell ist das Kind Objekt von Methoden, die diagnosegeleitet eingesetzt werden. Wenn sie nicht wirken, dann wurden die falschen Methoden eingesetzt, denn der wirkm\u00e4chtige Mensch ist \u00fcberzeugt, dass jede \u201eSt\u00f6rung\u201c zu heilen sei, wenn man die richtigen Methoden anwendet. (Anmerkung: Dieses mechanistische Reparatur-Denken ist mittlerweile weit verbreitet. Es wird schnell nach dem Therapeuten gerufen, oft als bequemer Weg, das Problem abzuschieben und sich nicht selbst einlassen zu m\u00fcssen, und wenn es nicht wirkt, dann wurden die falschen Methoden angewandt.)<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Paradigma wird abweichendes Verhalten ung\u00fcnstigen Bedingung zugeschrieben, die es auszugleichen gilt. F\u00fchlt man sich jedoch in ein Kind ein, dann sind seine oft ung\u00fcnstigen Lebensbedingungen auch sein Lebensfundament. F\u00fcr ein ethisches Bewerten der T\u00e4ter fehlt ihm das Bezugssystem, um sich ein Anderssein vorstellen, geschweige, ein Anderswerden w\u00fcnschen zu k\u00f6nnen. Von au\u00dfen zu kommen und dem Kind zu sagen: \u201edu musst anderes werden\u201c, \u201edu musst dich ver\u00e4ndern\u201c, \u201eso wie du bist, ist nicht OK\u201c, kann das Kind nicht verstehen, denn so wie es ist, f\u00fchlt es sich OK. Sein So-Sein ist das Ergebnis seines Lebens, das sein \u00dcberleben gesichert hat. Seine Bezugspersonen waren f\u00fcr das Kind pr\u00e4gend, andere kannte es nicht, und dass diese aus ethischen Gr\u00fcnden nicht OK sind, ist f\u00fcr das Kind nicht verstehbar. Dieses So-Sein anzunehmen, f\u00e4llt schwer, wenn man nur auf die Verhaltensprobleme blickt, die nicht in die Normalit\u00e4t passen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Regel geht es in erziehenden Systemen um Anpassung. Kann ein Kind diese Anpassung leisten, dann ist es OK, wenn nicht, dann braucht es Interventionen, dass es sich anpasst. Doch ist Anpassung keine Entwicklung. Die alten Pr\u00e4gungen bleiben erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wird das Wesen einer freien Beziehung erkennbar, die das Kind so annimmt, wie es geworden ist und die auch in seinen Problemen eine hohe Lebensleistung anerkennt. Heilung ist keine Anpassung, sondern sich einer neuen Entwicklung zu \u00f6ffnen, in der die Geschichte nicht abgetrennt, sondern eingeschmolzen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit dies gelingen kann, m\u00fcssen die Wertungen aufgel\u00f6st werden, denn seine Familie, wie immer deviant sie ist, ist seine geliebte Familie. Zu den Herkunftssystemen eine gute Beziehung zu pflegen, und dort ein \u201eja\u201c zur Entwicklung des Kindes zu erreichen, ist die beste Bedingungen, dass sich das Kind \u00f6ffnen und einlassen kann. Gelingt dies nicht, bleibt das Kind im Alten gebunden und wird in einem Loyalit\u00e4tskonflikt zerrieben.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">9.&nbsp; Vertrauen zeugt Freiheit<\/h1>\n\n\n\n<p>Vertrauen ist keine F\u00e4higkeit, die man lernen kann, wie man lernen kann, sich zu konzentrieren. Wer nie in seinem Leben Vertrauen erfahren hat, dem wir es immer fremd bleiben \u2013 er ist vertrauensblind. Wer nie geliebt wurde, f\u00fcr den ist die Liebe wie eine Farbe, die er nicht sehen kann, er ist liebesblind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderes Wort f\u00fcr Vertrauen ist Liebe. \u201eIch vertraue dir\u201c ist die h\u00f6chste Form der Wertsch\u00e4tzung; sie macht die Liebe anschaulich. Vertrauen ist der Ackerboden, in dem das Leben wurzelt und aus dem es seine Kraft zieht. Das Gegenteil ist das Misstrauen. Wo das Misstrauen regiert, ersticken Verordnungen und Kontrollen das Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Unf\u00e4higkeit zu Vertrauen ist bei traumatisierten Menschen auch der Grund des oft zwanghaften <strong>Kontrollbed\u00fcrfnisses<\/strong>. Ohne Vertrauen ist das Leben anstrengend und fordert permanent hohe Aufmerksamkeit, verbunden mit der Unf\u00e4higkeit loslassen und sich hingeben zu k\u00f6nnen. Die Lebensenergie wird in der Kontrolle verbrannt und steht nicht f\u00fcr die Weiterentwicklung zu Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer aus dem \u201eich vertraue\u201c lebt, der tritt aus der Unfreiheit des Misstrauens heraus in den Raum der Freiheit. So gilt auch umgekehrt, durch das Vertrauen eines Menschen wird die Freiheit geboren. Im Raum des Vertrauens muss ich mich nicht anpassen, sondern bin frei, der sein zu k\u00f6nnen, der ich sein will. Doch hat die Freiheit auch ihren Preis: ich muss mir klar werden, wer ich sein will \u2013 M\u00fcndigkeit ist anstrengend. Bequemer ist es, Anweisungen zu befolgen, als Freiheit zu wagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geburt der Freiheit ist das existentielle Ziel von Heilung. Nur wer frei ist, kann Verantwortung \u00fcbernehmen, f\u00fcr sich, f\u00fcr andere Menschen und f\u00fcr das eigene Leben.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">10.&nbsp;&nbsp; Vertrauen und Offenheit<\/h1>\n\n\n\n<p>Ein anderes Wort f\u00fcr Vertrauen ist Offenheit. Nur wenn man einem Menschen vertraut, kann man sich ihm auch \u00f6ffnen, ihm wirklich zuh\u00f6ren und von ihm lernen. Mittrauen verschlie\u00dft das eigene Lebenshaus; es macht eng und klein. Sokrates hat dazu eine kleine Episode aus seinem Leben erz\u00e4hlt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Er hatte einen sehr guten Freund, der einen Sohn hatte. Er fragte Sokrates, ob er seinen Sohn einige Zeit zu sich nehmen w\u00fcrde, damit er etwas von seiner gro\u00dfen Weisheit lernen k\u00f6nne. Sokrates willigte ein und sagte, er soll zuerst f\u00fcr einen Tag vorbeikommen, bevor er sich entscheiden werde. Dies geschah. Am Tag darauf fragte der Freund, ob er seinen Sohn in die Lehre nehmen werde. Sokrates antwortete: es tut mir leid mein Freund, ich kann ihm nichts lernen, denn er liebt mich nicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte auch sagen, <em>\u2026 er vertraut mir nicht, er \u00f6ffnet mir nicht sein Herz<\/em>. Dies gilt allgemein: was man nicht liebt, dass \u00f6ffnet sich einem nicht, doch was man liebt, dass offenbart einem seine ganze Sch\u00f6nheit und seinen inneren Reichtum. Dies ist das Geheimnis erfolgreichen Lernens: den Lernstoff zu lieben. Wer sich der Mathematik nicht \u00f6ffnen kann, dem wird sie sich wie ein bockiges Kind verweigern, doch wer sie liebt, dem wird sie ihre ganze Sch\u00f6nheit offenbaren. Diese ideale P\u00e4dagogik hat Saint-Exupery in Worte gefasst:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht M\u00e4nner zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern erwecke in den M\u00e4nnern die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Vertrauen ist ein Wundermittel, das alle T\u00fcren \u00f6ffnet. Heilung hei\u00dft: das Vertrauen von traumatisierten Kindern zu erringen. Der Rest geschieht dann von alleine. Eine Traumatherapeutin berichtet von einer \u00e4hnlichen Erfahrung: Von den 150 Stunden geht es oft 148 Stunden nur darum, dass der Klient ihr vertraut. Ist dies m\u00f6glich, dann ist alles andere auch geschafft.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">11.&nbsp;&nbsp; Die elementaren Bed\u00fcrfnisse eines Kindes<\/h1>\n\n\n\n<p>Eine heilende Beziehung muss vom Kind ausgehen, muss an den Bed\u00fcrfnissen des Kindes ansetzen.\u00a0\u00a0 Allgemein ausgedr\u00fcckt, bleiben die besten Methoden wirkungslos, wenn sie nicht spezifisch sind. Einem Ertrinkenden n\u00fctzen keine Schwimmanweisungen, er braucht einen Rettungsring.<\/p>\n\n\n\n<p>Stelle man sich dieser Erkenntnis, muss man sich immer wieder der Frage stellen: was sind die wirklichen Bed\u00fcrfnisse des Kindes und was sind eigene Bed\u00fcrfnisse, die man in das Kind hineinprojiziert? Im Unterricht viele Stunden still zu sitzen und zuzuh\u00f6ren, sind die Bed\u00fcrfnisse des Lehrers und der Schulordnung, doch sind es auch die Bed\u00fcrfnisse des Kindes? Dies gilt auch f\u00fcr das Leben in einer Wohngruppe. Auch dieses wird vorrangig von den \u00e4u\u00dferlichen Vorgaben des Gruppenlebens bestimmt, wie es in der Gruppenordnung festgelegt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anpassung des Kindes an diese Ordnungen ist ein selbstverst\u00e4ndlicher Konsens unserer Gesellschaft, so dass man sich nicht traut, ihn in Frage zu stellen. Stellt man jedoch die Heilung und nicht die Anpassung in den Mittelpunkt, dann werden dem Frager ganz andere Bed\u00fcrfnisse des Kindes bewusst. Jedoch hat diese Bewusstwerdung einen hohen Preis: die elementaren Bed\u00fcrfnisse des Kindes passen nicht in die sozialen Systeme und die Erwartungen vieler P\u00e4dagogen an ihrer T\u00e4tigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich auf die Beziehung mit Kindern wirklich einl\u00e4sst und sie nicht nur als Objekte von Ordnungen und Pl\u00e4nen sieht, der kommt mit seiner eigenen Kindheit und seinen eigenen kindlichen Bed\u00fcrfnissen in Ber\u00fchrung. Sich zuzugestehen, selbst wieder Kind zu sein, er\u00f6ffnet eine ganz neue Qualit\u00e4t der Beziehung zum Kind, macht manchen Menschen jedoch auch schmerzlich ihre eigenen Defizite bewusst.<\/p>\n\n\n\n<p>Die elementaren Bed\u00fcrfnisse unserer Kinder sind uns eigentlich erst durch das enge Zusammenleben mit den Kindern \u201eunter einem Dach\u201c bewusst geworden. Es sind die nat\u00fcrlichen Sehns\u00fcchte eines Kindes nach Familie, Eltern, Vater, Mutter, Geschwister, Verwandte, Heimat und dem dahinter stehenden Grundbed\u00fcrfnis nach Geborgenheit und Sicherheit.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">12.&nbsp;&nbsp; Die innere Adoption<\/h1>\n\n\n\n<p>Sich dies bewusst zu werden, ist wie ein Erwachen, denn damit steht man pl\u00f6tzlich in einer ganz anderen Art von Verantwortung, als sie \u00fcblich das fachliche Engagement leitet und die Grundlage des Auftrags zust\u00e4ndiger Stellen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beziehung zu einem \u201eFall\u201c, ist fachlich bestimmt, weshalb von den Beh\u00f6rden auch p\u00e4dagogische und therapeutische Fachkr\u00e4fte gefordert werden. So ist es der staatliche Auftrag des Lehrers, die Kinder nach den Vorgaben des Lehr- und Stundenplans zu unterrichten. Die kindlichen Bed\u00fcrfnisse bleiben au\u00dferhalb der eigenen Verantwortung, was es erm\u00f6glicht, nach dem Unterricht die Schule zu verlassen, denn f\u00fcr die elterlichen und famili\u00e4ren Bed\u00fcrfnisse des Kindes, und den sich daraus ergebenden Problemen, sind andere zust\u00e4ndig. In diesem Sinne haben sich die sozialen Systeme arbeitsteilig spezialisiert und professionalisiert, mit der Folge einer, die Personen und Institution betreffenden Umwertung der fachlichen und personalen Identit\u00e4t. Damit verbunden ist die Segmentierung und Eingrenzung der Verantwortlichkeit der Fachkr\u00e4fte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sich den Bed\u00fcrfnissen des Kindes bewusst zu werden, ist das eine, sich ihr zu stellen, ist jedoch etwas ganz anderes, denn dies ver\u00e4ndert die eigene Identit\u00e4t grundlegend. Nimmt man die Sehnsucht des Kindes nach einer elterlichen Beziehung an, dann hat dies radikale Folgen: man \u201eadoptiert\u201c das Kind und wandelt sich in ein Elternteil. Das Wort \u201eadoptieren\u201c hei\u00dft \u00fcbersetzt, \u201eauserw\u00e4hlen\u201c, was das Wesen dieser Entscheidung treffend ausdr\u00fcckt: \u2026 <em>ich w\u00e4hle dich aus, hebe dich aus der Masse heraus. Nun bist du bist ein Auserw\u00e4hlter in meinem Leben und hast f\u00fcr mich eine besondere Bedeutung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser freie Entschluss f\u00fcr einen anderen Menschen bindet. Aus diesem Blick ergibt sich auch ein anderes Verst\u00e4ndnis des Ph\u00e4nomens <strong>Bindungsst\u00f6rung<\/strong>. Wir erleben bei bindungsgest\u00f6rten Kindern, dass sie in ihrem Leben noch keine Erfahrung dieser Auserw\u00e4hltheit machen konnten, sie noch nie Subjekt waren, sondern meist Objekt. Wir haben erlebt, dass hinter diesen bindungsgest\u00f6rten Kindern eine tiefe Verlassenheit steht, ein Kr\u00e4nkung ihrer existentiellen Sehnsucht, ein Auserw\u00e4hlter im Leben eines Menschen zu sein, ein einmaliges, individuelles Wesen. Bindungsst\u00f6rung kann nur durch die innere Adoption geheilt werden. Liebe ist, einen anderen Menschen zu adoptieren, d. h. ihn zu einem Auserw\u00e4hlten in meinem Leben zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Kind will ein Auserw\u00e4hlter, ein einmaliges Wesen sein, was wir bei unseren Kindern eindr\u00fccklich erleben. Dies ist das eigentliche Wesen von Kindlichkeit. In einem religi\u00f6sen Sinne ist das Wesen des Menschen der Bruch der Einheit mit dem G\u00f6ttlichen, was die Heilungssehnsucht des Menschen erkl\u00e4rt, von einem g\u00f6ttlichen Vater auserw\u00e4hlt zu werden. Viele Auff\u00e4lligkeiten, die wir bei unseren Kindern erleben, sind unbewusste \u201eStrategien\u201c, gesehen zu werden und wichtig zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit sind wir im innersten Kern einer heilenden Beziehung angekommen, der Neugeburt in der Liebe eines Menschen, der mich auserw\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">13.&nbsp;&nbsp; \u00dcbertragung<\/h1>\n\n\n\n<p>Freud hat mit der Psychoanalyse eine Methode entwickelt, Entwicklungshemmnisse aufzul\u00f6sen. Auch hier ist das Wesentliche, dass der Therapeut den Klienten f\u00fcr den Zeitraum der Therapie gleichsam adoptiert. Die Heilung h\u00e4ngt auch hier vom Gelingen dieser besonderen Beziehung ab, worin der Klient seine fr\u00fcheren Erlebnisse und Gef\u00fchle z. B. gegen\u00fcber dem Vater, auf den Therapeuten \u00fcbertr\u00e4gt und in den Zustand des damaligen Kindes regrediert. Heilung gelingt dann, wenn in dieser Reinszenierung der damaligen Beziehung die Probleme bewusst werden und aufgel\u00f6st werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der therapeutischen Sondersituation geschieht die Eltern-Kind-Beziehung zeitlich befristet in einem k\u00fcnstlichen Szenario (auf der Couch). Bei Kindern ist die p\u00e4dagogische \u00dcbertragung in eine nat\u00fcrliche Beziehung eingebettet. Der wesentliche Unterschied ist jedoch, dass Kinder ihre Bed\u00fcrfnisse nicht zeitlich und \u00f6rtlich befristen. Kinder sind radikal und wollen den anderen jederzeit, ganz und f\u00fcr immer.<\/p>\n\n\n\n<p>Kinder konfrontieren uns mit ihrem unb\u00e4ndigen Lebenswillen, der enorm bereichert, doch auch enorm fordert. L\u00e4sst man diese \u00dcbertragung zu, dann kann man sie nicht nach der definierten Stundenzahl wieder abschalten. Die p\u00e4dagogische \u00dcbertragung ist eine Adoption, die einem in Vater oder Mutter wandelt. Ein weiterer Unterschied ergibt sich dadurch, dass der Therapeut nur f\u00fcr die Diagnosen Verantwortung \u00fcbernimmt, das andere Leben des Klienten bleibt drau\u00dfen, wie auch der Lehrer nur Verantwortung f\u00fcr die Vermittlung des Stoffs \u00fcbernimmt und nicht f\u00fcr die ganzheitliche Entwicklung des Kindes. In der p\u00e4dagogischen \u00dcbertragungsbeziehung steht man in der ganzen Verantwortung f\u00fcr das Kind, als ob es ein eigenes Kind w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Einrichtungen gehen den Weg, einen neutralen Beziehungsraum zu schaffen und bewusst diese \u00dcbertragungsbed\u00fcrfnisse (Sehns\u00fcchte) des Kindes auszuklammern \u2013 Gruppenregeln bestimmen den Alltag. Beschr\u00e4nkend wirken au\u00dferdem die dienstlichen Rahmenbedingungen und die berufliche Identit\u00e4t der Mitarbeiter als p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies \u00dcberlegungen machen die Verantwortung erkennbar, in der man steht, wenn man die kindlichen Bed\u00fcrfnisse nicht nur erkennt, sondern sich ihnen stellt. Kinder sind etwas anderes als Klienten, F\u00e4lle und Patienten. Wer sich mit Kindern einl\u00e4sst, der tritt in eine elterliche Verantwortung f\u00fcr ihr Leben, was bei traumatisierten Kindern eine besondere Bedeutung erlangt, wie es die Betroffene zu Beginn ausdr\u00fcckte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir k\u00f6nnen das Leben nicht auf dem normalen Weg eintreten, wie ein Kind es betritt, gef\u00fchrt an der Hand eines liebevoller Eltern, auf die wir uns ganz hingebend verlassen k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen es auf anderen Wegen betreten, auf einer Br\u00fccke, die uns ein Mensch in seiner Liebe baut\u201c. Ich f\u00fcge hinzu: in einer neuen Familie, die uns diese M\u00f6glichkeit bietet.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">14.&nbsp;&nbsp; Familiarit\u00e4t<\/h1>\n\n\n\n<p>Damit mussten wir uns der Frage stellen, wie solche heilenden Beziehungen und R\u00e4ume geschaffen werden k\u00f6nnen. Wie k\u00f6nnen wir dem Kind wieder eine Familie bieten, worin seine Traumen ausheilen k\u00f6nnen? Wird es nicht immer eine k\u00fcnstliche Situation bleiben, die keine Kraft entfaltet?<\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir nochmals auf das Wesen von \u00dcbertragung zur\u00fcck. Sie wirkt, auch wenn der Therapeut nicht der reale Vater ist und sich die damalige Beziehung nicht in der realen Situation ereignet, sondern in einer k\u00fcnstlichen Situation. Heilend sind nicht die \u00e4u\u00dferen Rahmenbedingungen, sondern, dass \u00dcbertragung geschieht. Hierbei war folgende Kl\u00e4rung grundlegend:<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Familie<\/strong><\/em><em> ist eine Organisationsstruktur, die durch Lebenspartner, einer definierten Lebenspartnerschaft, einer gemeinsamen Wohnung, ggf. durch gemeinsame Kinder und einem gesetzlichen Status bestimmt ist. Darin haben die Personen Funktionen und Rollen, auch hat die Familie im sozialen Umfeld einen Status.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Davon getrennt ist die Qualit\u00e4t \u201e<\/em><strong><em>Familiarit\u00e4t<\/em><\/strong><em>\u201c, die etwas ganz anderes ist als die Organisation \u201eFamilie\u201c. Familie kann man organisieren, doch nicht die Familiarit\u00e4t. Sie ist eine besondere Qualit\u00e4t, die dem entspricht, was wir als \u201eMilieu\u201c bezeichnen. Dies dr\u00fcckt sich auch darin aus, dass Familiarit\u00e4t nicht an eine bestimmte Familie gebunden ist; famili\u00e4r kann auch ein Betrieb, eine Klinik, eine Schule, eine Wohngruppe sein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das wirkende Kraftfeld ist die \u201eFamiliarit\u00e4t\u201c, unabh\u00e4ngig von den realen Bedingungen. Familiarit\u00e4t kann in widrigen Umst\u00e4nden sein und kann in idealen Bedingungen nicht sein. Viele unserer Kinder haben Familiarit\u00e4t noch nicht erlebt, sie m\u00fcssen sie erst entdecken und einen Geschmack daf\u00fcr entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele unserer Kinder sind in diesem Sinne fundamental beeintr\u00e4chtigt. Die fr\u00fchen Lebensbedingungen waren durch Eltern, oder elterlich wirkende Personen, bestimmt, die selbst krank, gest\u00f6rt, belastet, gewaltt\u00e4tig, kriminell, abh\u00e4ngig, \u2026 waren, sind. Das Kind wurde in keine \u201eFamilie\u201c als eine zweite Geb\u00e4rmutter hineingeboren, worin seine n\u00e4chsten Reifungsschritte erfolgen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>War im Mutterleib alles im \u00dcberfluss da, so wird durch die ersten Lebenserfahrungen die Welt modellhaft gepr\u00e4gt, in der das Kind weiterhin lebt: Ist es eine vertrauensvolle, liebevolle Welt, in die das Kind nach der paradiesisch-uterinen Welt hineingeboren wird, ein Welt, in der es willkommen und angenommen ist, oder ist es nach dem Schock der Geburt eine Welt voll Versagen, Hunger, Durst, K\u00e4lte, Einsamkeit, Ablehnung? Diese ersten Lebenserfahrungen sind Lebensfundament: Ist es fester Grund, voll von Vertrauen, oder ein weicher, voll von Vorsicht und Misstrauen?<\/p>\n\n\n\n<p>Nur aus dem Verstehen dieser Urerfahrungen werden viele Verhaltensweise traumatisierter Kinder verst\u00e4ndlich, aber auch die negative Prognose, noch Grundlegendes ver\u00e4ndern zu k\u00f6nnen. Es macht aber auch die Gr\u00f6\u00dfe und Schwere der Aufgabe bewusst, die damit verbunden ist. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">15.&nbsp;&nbsp; M\u00fctterlichkeit<\/h1>\n\n\n\n<p>Diese Unterscheidung zwischen Familie und Familiarit\u00e4t gilt auch f\u00fcr Mutter und M\u00fctterlichkeit, Vater und V\u00e4terlichkeit. Eine reale Mutter hat das Kind geboren, doch hei\u00dft dies nicht, dass sie auch eine m\u00fctterliche Mutter ist. <em>M\u00fctterlichkeit<\/em> wird nicht automatisch durch die Mutterschaft mitbegr\u00fcndet. Davon zu trennen ist ein <strong>Mutterinstinkt<\/strong>, der nach Winnicott kein Urinstinkt ist. M\u00fctterlich-f\u00fcrsorgliche Gef\u00fchle (Brutpflege) werden nach der Geburt durch Hormone (Oxytozin) bewirkt, die mit dem sinkenden Hormonspiegel ebenfalls abgeschw\u00e4cht werden, sie sind nicht Teil des Wesens Mensch geworden. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Annahme eines \u00abMutterinstinktes\u00bb, der zwingend eine ganz besondere Verbindung zwischen <a href=\"http:\/\/www.psychology48.com\/deu\/d\/mutter\/mutter.htm\">Mutter<\/a> und Kind herstellt, ist nicht best\u00e4tigt worden. Die <a href=\"http:\/\/www.psychology48.com\/deu\/d\/beziehung\/beziehung.htm\">Beziehung<\/a> einer <a href=\"http:\/\/www.psychology48.com\/deu\/d\/mutter\/mutter.htm\">Mutter<\/a> zu ihren Kindern wird durch ihre eigene Lebensgeschichte bestimmt &#8230; Dass M\u00fctter eine besonders gro\u00dfe <a href=\"http:\/\/www.psychology48.com\/deu\/d\/bedeutung\/bedeutung.htm\">Bedeutung<\/a> haben, ist kein <a href=\"http:\/\/www.psychology48.com\/deu\/d\/naturgesetz\/naturgesetz.htm\">Naturgesetz<\/a>, sondern ebenso das Ergebnis gesellschaftlicher Vorg\u00e4nge &#8230; In vielen Primitivkulturen wird diese <a href=\"http:\/\/www.psychology48.com\/deu\/d\/isolation\/isolation.htm\">Isolation<\/a> von Mutter und Kind in der <a href=\"http:\/\/www.psychology48.com\/deu\/d\/kleinfamilie\/kleinfamilie.htm\">Kleinfamilie<\/a> durch vielf\u00e4ltige Gruppenbeziehungen ersetzt.\u201c (Psychologielexikon)<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fctterlichkeit ist kein Instinkt, sondern eine Beziehungsqualit\u00e4t, die im Wesen eines Menschen wurzelt. Sie kann nicht einfach ge\u00fcbt oder trainiert werden, sondern h\u00e4ngt von der gesamten Pers\u00f6nlichkeit ab. Wer m\u00fctterlich ist, der ist auch in anderen Lebensbereichen f\u00fcrsorglich; es ist ein Mensch der Geborgenheit verstr\u00f6mt, nicht nur dem eigenen Kind gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies macht verstehbar, warum M\u00fctterlichkeit nicht unbedingt an die leibliche Mutter gebunden ist, sondern dort erlebbar wird, wo wir uns geborgen f\u00fchlen. Dieses m\u00fctterliche Urvertrauen ist nicht vom Verhalten des Kindes abh\u00e4ngig, sondern bedingungslose Entschiedenheit f\u00fcr das Kind, was verstehbar macht, warum M\u00fctterlichkeit kein Instinkt ist. (Anmerkung: Im Lauf der Professionalisierung der P\u00e4dagogik wurden diese elementaren Kompetenzen: Familiarit\u00e4t \/ M\u00fctterlichkeit \/ V\u00e4terlichkeit immer unbedeutender und durch formale Inhalte verdr\u00e4ngt, denn sie sind schwer durch Curricula zu definieren und noch schwerer methodisch zu vermitteln.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mutterinstinkt<\/strong> ist etwas anderes als <strong>M\u00fctterlichkeit<\/strong>. M\u00fctterlichkeit ist kein Instinkt und keine Hormonwirkung. Damit stellt sich die Frage, ob im Kind ein nat\u00fcrliches Bed\u00fcrfnis nach M\u00fctterlichkeit angelegt ist, oder dieses erst durch das Erleben von M\u00fctterlichkeit entsteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund unserer Erfahrungen sind wir \u00fcberzeugt, dass das Kind eine nat\u00fcrliche Sehnsucht nach M\u00fctterlichkeit in sich tr\u00e4gt, die jedoch verk\u00fcmmern kann, wenn sie nicht gen\u00e4hrt wird. Unter extremen Bedingungen kann der Mensch wieder diese Tiefenschicht aufschlie\u00dfen. In einer tiefen existentiellen Not kann diese M\u00fctterlichkeitssehnsucht wieder aufbrechen. Mutterphantasien sind Ausdruck der Selbstheilungskraft der Seele, wie sie in der Marienverehrung einen rituellen Ausdruck findet. M\u00fctterlichkeit ist eine Grunddimension des Menschlichen, die in Extremsituationen ins Bewusstsein dr\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei vielen traumatisierten Frauen haben wir erlebt, dass gerade diese besondere Beziehungsqualit\u00e4t durch das Trauma zerst\u00f6rt wird. Mit dem Verlust des Vertrauen zerbricht auch die M\u00fctterlichkeit. Dies ist Folge der tiefen Vertrauensst\u00f6rung, denn Vertrauen ist das \u201eexistentielle Herz\u201c der M\u00fctterlichkeit, d. h. einem Menschen bedingungslos vertrauen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">16.\u00a0\u00a0 Saatk\u00f6rner pflanzen &#8211; Geduld<\/h1>\n\n\n\n<p>Eine verk\u00fcmmerte M\u00fctterlichkeit erleben wir bei vielen unserer Kinder. Unsere Kinder haben zwar eine leibliche Mutter, doch nur wenige haben M\u00fctterlichkeit erleben d\u00fcrfen, so dass diese Grundkraft in ihnen heranreifen konnte. Damit ergibt sich ein Problem, wie in vielen anderen Bereichen auch: wie kann das Kind etwas erkennen, das es nicht kennt. Schon beim Vertrauen haben wir dies erlebt: wie kann ein Kind vertrauen, wenn es dieses noch nie erleben durfte \u2013 wenn es \u201evertrauensblind\u201c ist. So sind viele unserer Kinder \u201em\u00fctterlichkeitsblind\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist eines der gro\u00dfen Probleme der Heilung von Traumen: wir k\u00f6nnen nicht selbstverst\u00e4ndlich annehmen, dass das Kind, das versteht, was wir ihm an Beziehungsangeboten machen. Wir d\u00fcrfen nicht unsere Erfahrungen in das Kind hineinprojizieren. Es ist mit der Sprache vergleichbar: auch die M\u00fctterlichkeit hat ihre eigene \u201eSprache\u201c, worin Worte, Gesten, Ber\u00fchrungen ihre ganz eigene Bedeutung haben (analog zur V\u00e4terlichkeit). So kann z. B. eine Ber\u00fchrung f\u00fcr den, der diese Sprache versteht, eine gro\u00dfe Bedeutung haben, f\u00fcr den, der die Sprache nicht versteht, kann die gleiche Geste ein Bedrohung darstellen, die Angst und Abwehr ausl\u00f6st. Wer dies nicht versteht, der bewertet dies als Zur\u00fcckweisung und re-agiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wird etwas sehr Wesentliches eines heilenden Weges erkennbar: das verk\u00fcmmerte Pfl\u00e4nzchen M\u00fctterlichkeit wieder zum Leben zu erwecken, damit es ihre Heilwirkung im Leben des Kindes entfalten kann. Bildhaft ausgedr\u00fcckt, m\u00fcssen wir im Garten des Kindes das Heilkraut der M\u00fctterlichkeit suchen \u2013 manchmal erst pflanzen \u2013 und zur Entfaltung bringen, als nat\u00fcrliche Selbstheilungskraft der Seele.<\/p>\n\n\n\n<p>Die entscheidende Qualit\u00e4t eines Mitarbeiters ist die F\u00e4higkeit, die \u00dcbertragungsbed\u00fcrfnisse der Kinder annehmen zu k\u00f6nnen, was auch bedeutet, die eigene <strong>Gegen-\u00dcbertragung<\/strong> auf das Kind zulassen zu k\u00f6nnen (z. B. Kindlichkeit). Diese F\u00e4higkeit h\u00e4ngt nicht an der fachlichen Qualifikation, sondern ausschlie\u00dflich an der Pers\u00f6nlichkeit einer Menschen, d. h. ein entschiedener Mensch zu sein und kein Schilfrohr im Wind der eigenen Bed\u00fcrfnisse.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Elementarer Konflikt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei einigen unserer Kinder haben wir einen elementaren Konflikt erlebt, der sie schier zerrei\u00dft: die elementare Sehnsucht nach M\u00fctterlichkeit bei ihrer realen Mutter, die diesem Bed\u00fcrfnis nicht nachkommen kann, da ihre eigene M\u00fctterlichkeit verk\u00fcmmert, oder durch eigene Traumen zerst\u00f6rt wurde. Dieses Bed\u00fcrfnis abzuschalten, ist den Kindern nicht m\u00f6glich und es auf andere Personen umzulenken, erleben sie als Verrat der eigenen Mutter. Diese Kinder zerbrechen an diesem Konflikt. Oft ist eine autonome Grundhaltung (Bindungsst\u00f6rung, sich \u00fcberhaupt nicht einzulassen) f\u00fcr sie die einzige L\u00f6sung des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Grundkonflikt, dass die Kinder \u201ebindungslos gebunden\u201c sind und sich nicht entwickeln k\u00f6nnen, ist ein gro\u00dfes Problem. Mit einem Bindungsangebot versch\u00e4rft man oft den Konflikt. Erreicht man, dass sich das Kind \u00f6ffnet, erzeugt dies oft tiefe Probleme bei der leiblichen Mutter, die ihre eigene Identit\u00e4t oft an das Kind gebunden hat.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">17.&nbsp;&nbsp; V\u00e4terlichkeit<\/h1>\n\n\n\n\n\n<p>Wie Familiarit\u00e4t und M\u00fctterlichkeit, ist auch \u201eV\u00e4terlichkeit\u201c etwas anderes als \u201eVater\u201c. Viele unserer Kinder haben nur leibliche V\u00e4ter, die nicht einmal ihrer formalen Verantwortung nachkommen \u2013 V\u00e4terlichkeit haben sie nie erlebt, wie es die Betroffene schildert:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWir k\u00f6nnen das Leben nicht auf dem normalen Weg eintreten, wie ein Kind es betritt, gef\u00fchrt an der Hand eines liebevollen Vaters, auf den wir uns ganz hingebend verlassen k\u00f6nnen\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bei Traumen liegt oft noch eine besondere Tragik vor: viele T\u00e4ter sind M\u00e4nner, womit auch eine grundlegende St\u00f6rung der Beziehung zum M\u00e4nnlichen verbunden ist. F\u00fcr die nat\u00fcrliche Entwicklung des Kindes \u2013 Bub und M\u00e4dchen \u2013 ist die V\u00e4terlichkeit ebenso notwendig, wie die M\u00fctterlichkeit. M\u00fctterlichkeit schafft die innere, V\u00e4terlichkeit die \u00e4u\u00dfere Sicherheit und Geborgenheit, woraus sich eine v\u00e4terliche und eine m\u00fctterliche Seite von Vertrauen und Verantwortung ergibt. Die Evolution hat diesen Geschlechtsunterschied als eine sehr effektive \u00dcberlebenssynergie geformt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erleben bei unseren Kindern eine gro\u00dfe Vatersehnsucht, bis hin zur einer Vateridealisierung, weil sie einen realen Vater nicht erleben konnten. Diese Sehnsucht nach einem \u00fcberm\u00e4chtigen Besch\u00fctzer und Versorger f\u00fchrt im sp\u00e4teren Leben oft zu erheblichen Entt\u00e4uschungen und ist der Grund, sich immer wieder M\u00e4nnern hinzugeben, welche v\u00e4terliche Tugenden vort\u00e4uschen und oft selbst T\u00e4ter sind.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fctterlichkeit steht mehr in der Verantwortung f\u00fcr das innere Leben, V\u00e4terlichkeit f\u00fcr die \u00e4u\u00dferen Bez\u00fcge. Dadurch unterscheidet sich auch der Blick auf das Leben. Ist das innere Leben durch den innerfamili\u00e4ren \u201eKosmos\u201c bestimmt, mit seinen allt\u00e4glichen Konflikten, die die Mutter mehr ausgleichen als l\u00f6sen muss, so steht in den \u00e4u\u00dferen Bez\u00fcge die Verantwortung f\u00fcr die Sicherheit und das \u00dcberleben des Ganzen im Vordergrund. Die beiden Realit\u00e4ten, und damit auch die Horizonte, sind anderes. In der Menschheitsgeschichte bestimmte das \u00dcberleben die Beziehungen nach au\u00dfen, meist in Form von Konkurrenz und Kooperation. Daher stehen die v\u00e4terlichen Beziehungen \u2013 und ihre L\u00f6sungsstrategien \u2013 in einem anderen Kontext: es geht ums Ganze, ums \u00dcberleben, um F\u00fchrung, Sinn und Struktur.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur die Buben, sondern auch die M\u00e4dchen, m\u00fcssen das V\u00e4terliche in sich entwickeln, um Verantwortung f\u00fcr das eigene Leben \u00fcbernehmen zu k\u00f6nnen. Beides ist notwendig: der Blick auf den Mikro- und den Makrokosmos, nach innen und nach au\u00dfen. V\u00e4terliche F\u00fchrung erfordert, den Blick zu heben und \u00fcber den Tellerrand hauszusehen. V\u00e4terliches Vertrauen h\u00e4ngt an diesem \u00dcber-Blick.<\/p>\n\n\n\n<p>Traumen bewirken eine Ver\u00e4nderung des Blickwinkels: das gro\u00dfe Ganze geht verloren, da das \u00dcberleben im Alltag im Vordergrund steht, weshalb sich diese Menschen auch als \u201e<strong>\u00dcberlebende<\/strong>\u201c bezeichnen. Heilung braucht den Mut, den \u201eKopf\u201c wieder zu heben und sich aus der Macht der Details zu befreien und wieder den Blick in die Weite zu wagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Entwicklung geht nicht ohne diesen \u201ev\u00e4terlichen Blick\u201c und die damit verbundene \u201ev\u00e4terliche Verantwortung\u201c f\u00fcr die eigene Zukunft und f\u00fcr die Zukunft der anderen Menschen. V\u00e4terlichkeit ist das Wort f\u00fcr einen \u00fcbergreifenden Lebenssinn, der dem Mikrokosmos Struktur geben kann. Psychologisch ausgedr\u00fcckt, ist V\u00e4terlichkeit, die F\u00e4higkeit zum Reframing. (Anmerkung: Wie M\u00fctterlichkeit nicht an eine weibliche Person, ist auch V\u00e4terlichkeit nicht zwingend an eine m\u00e4nnliche Person gebunden.)<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in Krisen ist V\u00e4terlichkeit und der damit verbundene Weit- und \u00dcberblick besonders wichtig, um den Kurs vorgeben zu k\u00f6nnen. In Krisen ist die Synergie mit der M\u00fctterlichkeit \u00fcberlebenswichtig. Heute erleben wir eine tiefe Krise der V\u00e4terlichkeit und damit verbunden oft auch der Synergie. Viele V\u00e4ter fl\u00fcchten vor ihrer Verantwortung in m\u00fctterliche Verhaltensweisen, weil sie nicht die Kraft haben, Risiken einzugehen. Nur wenn das Kind im Spiel dies lernen kann, kann es auch sp\u00e4ter Krisen meistern. So geh\u00f6rt zur V\u00e4terlichkeit auch die Ermunterung der Kinder zum Risiko, was oft in einen Konflikt mit der Beh\u00fctersorge der M\u00fctter f\u00fchrt. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201ev\u00e4terlichen Kompetenzen\u201c sind die F\u00e4higkeit zu f\u00fchren, Sinn und Orientierung zu erkennen und vorzugeben, die Bereitschaft, auch ordnende Strukturen zu erschaffen, zu erhalten und auch zu verteidigen. Damit verbunden ist die Notwendigkeit, auch Macht positiv anzunehmen und manchmal auch ein Machtwort zu sprechen. Erlebbar wird V\u00e4terlichkeit auch in der handelnden Kompetenz, z. B. in der f\u00fcr das Kind erlebbaren Handwerklichkeit. Gelingt dies, dann ist die st\u00e4rkste Legitimation der V\u00e4terlichkeit das Ansehen, die Stellung und der Ruf des Ganzen. Es ist die st\u00e4rkste Kraft f\u00fcr die Entwicklung eines Selbstbewusstseins.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">18.&nbsp;&nbsp; Vaterpr\u00e4gungen<\/h1>\n\n\n\n<p>Dieses positive Ideal von V\u00e4terlichkeit macht auch die negativen Vater- und M\u00e4nnlichkeitspr\u00e4gungen unserer Kinder erkl\u00e4rbar. Ihre M\u00fctter sind selbst meist traumatisierte Frauen, die in ihrem Schicksal gefangen sind und sich immer wieder T\u00e4ter suchen. Typisch sind dies M\u00e4nner mit einer Pseudo-M\u00e4nnlichkeit, die sich die v\u00e4terlichen Tugenden als Machoattit\u00fcde anheften. Die Unf\u00e4higkeit Verantwortung \u00fcbernehmen zu k\u00f6nnen, jedoch das eigene Ego n\u00e4hren zu wollen, erzeugt einen neuerlichen Teufelskreis von T\u00e4tergewalt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Kinder sind die Folgen dramatisch: sie wollen ebenso m\u00e4chtig sein. Die Machoattit\u00fcden erlangen f\u00fcr sie eine hohe Attraktivit\u00e4t und erzeugen eine Fehlpr\u00e4gung von M\u00e4nnlichkeit und V\u00e4terlichkeit. Das gr\u00f6\u00dfere Ganze, dass hinter diesen M\u00e4nnern meist Versagerkarrieren stehen, k\u00f6nnen sie nicht erkennen. Besonders schwerwiegend ist die L\u00fcge in diesen Systemen: es wird etwas vorgegeben, was man selbst nicht lebet. Das Leben besteht oft aus hohlen Phrasen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Lebensentw\u00fcrfen ist meist auch ein Abwertung des Weiblichen und der M\u00fctterlichkeit verbunden. Frauen sind in solchen Konzepten Objekte der Bed\u00fcrfnisbefriedigung. Synergie besteht nicht, was die prek\u00e4ren Lebendbedingungen bewirkt und verst\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg der Suche nach heilenden Kr\u00e4ften ist uns die Schwere der Aufgabe bewusst geworden, die Fehlpr\u00e4gungen aus der fr\u00fchen Zeit wieder umzupr\u00e4gen. Diese fr\u00fchen Pr\u00e4gungen wirken auch umso tiefer, je fr\u00fcher sie erfolgt sind. Diese Macht der T\u00e4ter hat eine hohe Attraktivit\u00e4t, mit der gro\u00dfen Gefahr, selbst dieses Ideal werden zu wollen. Ein ethisches Koordinatensystem, welches das Verhalten bewerten k\u00f6nnte, ist im Kind nicht vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass eine Bewusstwerdung im kindlichen Alter nicht m\u00f6glich ist und Verhaltensmodifikation zwar Ausw\u00fcchse eingrenzen, doch keine Ver\u00e4nderung der Identit\u00e4tspr\u00e4gung bewirken kann. Dies ist nur durch v\u00e4terliche Modelle m\u00f6glich, welche eine andere Art von V\u00e4terlichkeit (und M\u00fctterlichkeit) vorleben, die f\u00fcr das Kind attraktiv ist, doch braucht dies ein lange Wegstrecke. Auch sind die T\u00e4ter-Keime wie eine Droge noch lebenslang attraktiv, denn sie erm\u00f6glichen einen schnellen Ego-Kick, ohne einen m\u00fchevollen Entwicklungsweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Hiermit ergibt sich eine weiter Problematik, denn in sozialen Hilfesystemen arbeiten vorrangig Frauen und m\u00e4nnliche Modelle sind nicht unmittelbar erlebbar, um mit ihnen zusammen in die m\u00e4nnliche Welt eingef\u00fchrt werden zu k\u00f6nnen. Hier ist auch wichtig: diese V\u00e4terlichkeit ist keine rein m\u00e4nnliche Sache, wie die M\u00fctterlichkeit, keine rein weibliche ist.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">19.&nbsp;&nbsp; Geschwisterlichkeit<\/h1>\n\n\n\n<p>Die enorme Bedeutung der Geschwisterlichkeit ist uns im Lauf der Jahre bewusst geworden, je mehr Kinder \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum stabil zusammenlebten und sich dadurch Geschwisterlichkeit ausbilden konnte. Auch hier ist \u2013 wie in den anderen Bereichen auch \u2013 zu unterscheiden, zwischen: realen Geschwistern, anderen Kindern, und Geschwisterlichkeit als eine ganz eigene Qualit\u00e4t von Beziehung mit einer besonderen heilenden Kraft, die nicht prim\u00e4r von gemeinsamen Eltern und gemeinsamen Genen abh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Blick in die Evolution zeigt \u2013 als das Aufwachsen und die Enkulturierung noch nicht institutionalisiert war \u2013 wie sehr die anderen Kinder, j\u00fcngere und \u00e4ltere, als Pr\u00e4gungsraum f\u00fcr das Kind bedeutsam war. Nicht nur soziale Kompetenzen, sondern auch technische F\u00e4higkeiten, die f\u00fcr das \u00dcberleben der Gemeinschaft wichtig waren, wurden im Spiel ge\u00fcbt und perfektioniert. Modellernen von den \u00c4lteren, F\u00fcrsorge f\u00fcr die Kleineren, Mithilfe bei den Erwachsenen verbanden nicht nur die leiblichen Kinder, sondern alle Kinder der Gemeinschaft zu einer \u201egeschwisterlichen Einheit\u201c. Davon hing das \u00dcberleben der Gemeinschaft ab, da die Eltern zeitlich im Alltagsaufgaben gebunden waren. Die Gro\u00dffamilie mit Tanten und Gro\u00dfeltern, auch der anderen Kinder, war der soziale Raum dieses Geschehens.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine in diesem Sinne definierte Geschwisterlichkeit geh\u00f6rt zur genetischen Grundausstattung des Menschen. Sie ist eine soziale Grundkompetenz f\u00fcr das Gelingen des sp\u00e4teren Lebens in Lebens- und Arbeitsgemeinschaften (Lernen vom anderen, sich Einordnen, Vorbild sein, Respekt vor den Autorit\u00e4ten, F\u00fcrsorge, \u2026). Anmerkung: In der modernen Gesellschaft sind solche Werte unmodern geworden, wo es mehr um die autonome Freiheit des Individuums geht, die Kleinfamilie vorherrscht und familien\u00fcbergreifende Kindergruppen kaum mehr bestehen und durch KITA, Schule und Hort abgel\u00f6st wurden. Gesellschaftliche Werte und Tugenden r\u00fccken hierdurch in den Hintergrund, der Egoismus nimmt zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gruppe und einzelne Kinder als Untergruppe, erm\u00f6glicht, sich auch zu verb\u00fcnden und f\u00fcr das Durchsetzten eigenen W\u00fcnsche, Koalitionen zu schlie\u00dfen. Auch lernt das Kind, dass eine Gruppe eine Rangordnung hat, in die es sich einpassen muss. Bedeutend f\u00fcr das soziale Lernen ist auch das Streiten und die Bereitschaft sich wieder zu vertragen, das Teilen und auf den anderen R\u00fccksicht zu nehmen. Und wesentlich auch der Zusammenhalt: <em>\u201eAuch wenn wir uns Geschwister anders als Freunde nicht aussuchen k\u00f6nnen: Wir teilen mit ihnen immerhin ein gemeinsames Schicksal. Und egal, wie sehr wir uns nerven und streiten: Soll mal jemand anderes wagen, ein schlechtes Wort \u00fcber unsere Schwestern oder unseren Bruder zu verlieren. Am Ende halten wir zusammen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Wohngruppe ist ein andere Art von Gemeinschaft, wie eine Familie. Doch bildet sich darin schnell Geschwisterlichkeit aus. Eine besondere Kraft erleben wir immer wieder, wenn ein neues Kind hinzukommt. F\u00fcr das \u00dcberleben eines Kindes war es fr\u00fcher entscheidend, sich an die Menschen der Gemeinschaft zu binden, bei denen es eine h\u00f6chste \u00dcberlebenschance hatte. Diese sozialen Bindungsmuster werden von den Neuen fast augenblicklich \u00fcbernommen. Nicht prim\u00e4r der Erwachsene bestimmt durch sein Verhalten die Bindung, sondern das Kind \u00fcbernimmt die Bindungsst\u00e4rke zu den jeweiligen Bezugspersonen von den anderen Kindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zusammenleben von Kindern mit einer belastenden Vorgeschichte, bietet die Geschwisterlichkeit auch eine therapeutisch heilende Kraft, die so kaum in Lehrb\u00fcchern zu finden ist. \u00dcberlebensstrategien werden unbewusst und sehr schnell von anderen \u00fcbernommen. Dies umfasst nicht nur die positiven, sondern auch die problematischen, mit denen man sich Vorteile verschaffen kann. In diesem Sinne wirken oft Aufenthalte in Kliniken. Dem Spektrum der eigenen Symptome werden oft auch noch die hinzugef\u00fcgt, die man bei anderen Kindern beobachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die st\u00e4rkste Kraft einer geschwisterliche Gesellschaft ist die Freude an der eigenen Entwicklung. Am anderen Kind wird anschaulich, wie man Schwierigkeiten meistern kann, sie bieten kind- und altersgem\u00e4\u00dfe Verhaltensweisen, die effektiver sind als solche, die dem erwachsenen Gehirn entspringen. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">20.&nbsp;&nbsp; Spiel<\/h1>\n\n\n\n<p>Spielen ist <strong>die<\/strong> Wesens\u00e4u\u00dferung des Kindes. Kinder haben die F\u00e4higkeit, \u00fcberall zu spielen und eine kleine Spielwelt \u2013 wie einen sch\u00fctzenden Kokon \u2013 aufzuspannen, unabh\u00e4ngig von den \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden. Sogar auf dem Weg in die Gaskammern von Ausschwitz haben die Kinder noch gespielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die enorme Bedeutung des Spiels f\u00fcr das Kind wird an einer Naturbeobachtung von Affen in Australien deutlich, die einer gro\u00dfen Trockenheit ausgesetzt waren und nach mehreren Wochen verdursteten. Aufschlussreich war, welche Verhaltensweise sie nach und nach einstellten. Das kindliche Spiel war das letzte, bevor Agonie einsetze.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wird die enorme Bedeutung des Spiels anschaulich, zum einen f\u00fcr das Lernen, zum anderen als heilender \u201eKokon\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Schwere Traumen zeigen ihrer Wirkungen auch im Spielverhalten der Kinder, so dass auch vermutet werden kann, dass die Sp\u00e4tfolgen auch durch ein gest\u00f6rtes Spielverhalten bewirkt werden. Wir haben bei vielen Kindern erlebt, dass die Traumen zu einer k\u00fcnstlichen Reifung f\u00fchren und dadurch Entwicklungsphasen nicht ausreichend durchlebt (altersgem\u00e4\u00df durchspielt) werden. Dadurch wird das Spielverhalten und damit die Entwicklung massiv gest\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Spielen wieder ins Flie\u00dfen zu bringen und Bedingung zu schaffen, in denen das Kind wieder seinen Kokon spinnen kann, ist eine Grundbedingung von Heilung. Hierzu sind Bedingungen erforderlich, in denen das Kind wieder auf die Stufe regredieren kann, wo seine Defizite liegen, um sie spielend nachzuholen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Paradoxie des Spiels besteht darin, dass es schwer von au\u00dfen bewirkt werden kann, es muss sich der Funke der Begeisterung im Kind selbst entz\u00fcnden: Spielen ist eine Wesens\u00e4u\u00dferung der Freiheit. Eine tiefe St\u00f6rung dieser nat\u00fcrlichen Begeisterungsf\u00e4higkeit ist die unkreative Langeweile, die sich in Medien eine Scheinbefriedigung verschafft.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass sich diese \u201eFreiheit im Spiel\u201c entfalten kann, m\u00fcssen die Erwachsenen zur\u00fccktreten und d\u00fcrfen nicht ihre Vorstellungen von \u201egutem Spiel\u201c in das Kind hineinprojizieren. Kindliches Spiel kann sich im ganz Kleinen und Unscheinbaren entfalten \u2013 das Spielmaterial ist nicht entscheidend, wohingegen f\u00fcr Erwachsene gerade das Spielzeug bedeutsam ist. Viele Spielsachen heute \u2013 die als p\u00e4dagogisch wertvoll erachtet werden \u2013 sind geschlossene Spiele, die keine Offenheit zur Entfaltung der kindlichen Fantasie und Begeisterung erm\u00f6glichen. Kaufladen kann man auch mit Steinen und Grashalmen spielen. Computerspiele sind determinierte Welten, die dem Wesen des Spiels entgegenstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Computerspiele sind keine offenen Spiele, sie erm\u00f6glichen dem Kind keinen Entwicklungs-Kokon, sondern vereinnahmen es in eine vordefinierte Spielrealit\u00e4t, die nur scheinbar offen ist. Die Freiheit darin ist keine wirkliche, sondern nur eine Wahlfreiheit zwischen Alternativen. Dies sind keine Entfaltungsr\u00e4ume. Das eigentliche Ziel der Spielentwickler ist, das Ego zu stimulieren, um so die Spieler von sich abh\u00e4ngig zu machen. Damit wird auch der Wesensunterschied zum Konsum erkennbar: Spielen macht nicht abh\u00e4ngig, sondern frei. Spielen kann man nicht konsumieren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Spiel kann das Kind sich eine heile Welt imaginieren, in der es seine W\u00fcnsche und Sehns\u00fcchte, wie in einem Garten neu pflanzen kann. Spiel hat eine gro\u00dfe Selbstheilungskraft, denn im Spiel kann Vertrauen entdeckt und ge\u00fcbt werden. Spiele bieten ideale M\u00f6glichkeiten, dosiert Risiken einzugehen, die soziale Hierarchie auszutesten und den Realit\u00e4tssinn zu pr\u00e4gen. Dazu braucht das Kind einen beh\u00fcteten Freiraum, ideal: die Synergie zwischen V\u00e4terlichkeit und M\u00fctterlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">21.&nbsp;&nbsp; Heimatlichkeit<\/h1>\n\n\n\n<p>Das Wort Heimat l\u00e4sst in uns vielf\u00e4ltige Farben an Empfindungen anklingen. In der modernen Welt wirkt es eigenartig antiquiert, wie aus einer anderen Zeit. \u201eHeimat\u201c ist rational schwer zu begreifen und umfasst sehr viel mehr Dimensionen als der realer Geburtsort. Sie ist der Mutterboden, woraus unsere Tiefenwurzeln ihre Lebenskraft ziehen. Heimat ist ein tiefer Sehnsuchtspunkt des Menschen, womit wir tiefe Gef\u00fchle verbinden: \u201eHeimat ist der Ort, wo meine Wiege stand\u201c, \u201eHeimat ist, wo Menschen sind, die mich lieben\u201c, \u201eHeimat ist, wo meine Freunde sind\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie M\u00fctterlichkeit ist auch Heimatlichkeit von der realen Heimat gel\u00f6st. Dieses Kraftfeld kann \u00fcberall wirken, wo wir Geborgenheit, Vertrauen und Verl\u00e4sslichkeit erleben, im Betrieb, in der Schule, in der Lehre, an der Universit\u00e4t. Anmerkung: viele dieser \u201eOrte der Tiefenpr\u00e4gung\u201c haben diese beheimatende Qualit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft und sich in funktionale Organisationen gewandelt. Heimatlichkeit ist kein Qualit\u00e4tskriterium im Bewertungskatalog einer Excellenzuni, wie sie noch im Wort Alma Mater&nbsp;(\u201en\u00e4hrende, g\u00fctige Mutter\u201c)&nbsp;durchscheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wird auch erkennbar, wie sehr es einen Menschen trifft, wenn er seine Heimat verliert oder, wenn er in seinem Leben nie Heimatlichkeit erleben durfte. Viel Traumen zerst\u00f6ren das Vertrauen, auch in die heimatlichen Wurzeln. <strong>Entheimatung<\/strong> ist ein Begriff, der erahnen l\u00e4sst, wie umf\u00e4nglich Traumen einen Menschen treffen. Anmerkung: Er findet sich nicht in Diagnosekatalogen zur Klassifikation eines PTBS, ist jedoch eine Grundbedingung f\u00fcr eine heilende Beziehung. Beheimatung oder Wiederbeheimatung ist daher eine wesentliche Kraft unsers Konzeptes. &nbsp;Ein Kind wieder zu beheimaten, braucht jedoch andere Bedingungen, als sie \u00fcbliche therapeutische Methoden bieten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit stellt sich die schwierige Frage: wie sehen diese Bedingungen aus? Nur Menschen k\u00f6nnen Verl\u00e4sslichkeit, Vertrauen und emotionale Geborgenheit vermitteln. F\u00fcr den gl\u00e4ubigen Menschen ist die existentielle Heimat der Himmel, die ewige Geborgenheit in der g\u00f6ttlichen Liebe. Dieses Beziehungserleben wird auf \u00c4u\u00dferes konditioniert, was wir als regionale Kultur bezeichnen: Landschaft, Sprache, R\u00e4ume, H\u00e4user, Kleidung, Einrichtung, M\u00f6bel etc.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Kinder ist etwas sehr Elementares mit Heimat verbunden: das Spiel. \u201eHeimat ist, wo ich spielen darf und durfte\u201c. \u201eHeimat\u201c ist der Entwicklungs-Kokon. An einer Schule, die keine heimatliche Schule ist, wird das Kind nicht viel lernen. Eine Familie, die keine heimatliche Familie ist, wird das Kind sich nicht entwickeln. Heimat ist der Vertrauensraum, in dem Lernen, Entwicklung, Wachsen geschehen k\u00f6nnen. Das Kind hat jedoch die gro\u00dfe F\u00e4higkeit, alles in einen heimatlichen Kokon zu wandeln, und wenn es nur f\u00fcr einen Augenblick ist. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In einer organischen Entwicklung verl\u00e4sst das Kind seine Heimat, wenn die Phase der Kindheit abgeschlossen ist und geht, symbolisch gesprochen, in die \u201eFremde\u201c, in sein Leben. Dieses Verlassen ist eine Grundbedingung, um erwachsen werden zu k\u00f6nnen. Was in der Heimat im Schutzraum des Spiels und der elterlichen Verantwortung stand, muss nun selbst \u00fcbernommen werden \u2013 die Zeit des Spielens geht zu Ende und der \u201eErnst des Lebens\u201c steht vor der T\u00fcr. Anmerkung: Heute erleben wir eine St\u00f6rung dieser nat\u00fcrlichen Abl\u00f6sung. Wir vermuten, dass dies mit der Schw\u00e4chung der Heimatlichkeit in der Familie zusammenh\u00e4ngt: Geborgenheit macht autonom. Wer wirklich zuhause war und ist, wer ein Zuhause hat, der kann auch das Leben wagen und weggehen.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">22.&nbsp;&nbsp; Kultur<\/h1>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das allt\u00e4gliche Leben mit Kindern ist es sinnvoll, zwischen <strong>Makro- und Mikrokultur<\/strong> zu unterscheiden. Jede Lebensgemeinschaft (Familie, Partnerschaft, Schule, Betrieb, Dorf, Stadt, Partei, Verein \u2026) hat ihre ganz eigene unverwechselbare Kultur. Diese wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, welche die kulturelle Identit\u00e4t eines Menschen vor allem in der Kindheit pr\u00e4gen (Landschaft, Klima, Vegetation, Sprache, Lebensweise, Beruf der Eltern, Stadt, Land, Religion, Mentalit\u00e4t der Menschen, Kunst und Tradition).<\/p>\n\n\n\n<p>Die kleinste kulturelle Einheit ist der Mensch. Seine individuelle Kultur bestimmt, wie er sein Leben gestaltet, abh\u00e4ngig davon, was ihm wesentlich ist und wie er seinen Lebenssinn definiert. Kultur zeigt sich in den internen und externen Beziehungen. Die Mikrokultur ist eine gr\u00f6\u00dfere Makro-Kultur (Region, Staates, Religion, Sprache, Geschichte \u2026) eingebettet. Kultur ist eine Art Mikro- und Makrokosmos f\u00fcr das Leben und f\u00fcr die Entwicklung der Kinder. Kultur gibt den Stil, die Werte und Normen f\u00fcr das Leben vor. Sie beengt, gibt aber auch Halt. Anmerkung: In der Postmoderne wurde die Befreiung von den Begegnungen der Kultur gefeiert, ohne die Nebenwirkung zu bedenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Heimat und Kultur sind der Boden, in dem bildlich gesprochen, die Lebenspflanze eines Menschen wurzelt. Anmerkung: Mit der Globalisierung, dem Internet und der Globalisierung der M\u00e4rkte hat die pr\u00e4gende Bedeutung der kleinen kulturellen R\u00e4ume abgenommen. War fr\u00fcher die Kommune, die Gemeinde, die kulturtragende Kraft, die durch eine Vielzahl von Beziehungen bestimmt war, so zeigt sich die Schw\u00e4chung von Kultur vor allem in der Schw\u00e4chung der pers\u00f6nlichen Beziehungen und der Identit\u00e4t stiftenden Kr\u00e4fte der kulturellen Lebensr\u00e4ume. In der globalisierenden Welt haben diese Pr\u00e4gungen ihre Bedeutung verloren und werden eher als mobilit\u00e4ts- und konsumhinderlich angesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kultur bietet ein Kraftfeld, das auch in Krisenzeiten das \u00dcberleben sichert und es zeigt sich, dass gerade in Krisen der Mensch dieser Kr\u00e4fte bedarf, die nicht durch staatliche F\u00f6rderprogramme aufzufangen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Menschen werden von den Werten der Moderne \u00fcberfordert. Sie beg\u00fcnstigen die kognitiv fitteren und benachteiligen die Schw\u00e4cheren, die \u00fcber eine geringere Flexibilit\u00e4t verf\u00fcgen. Wir erkennen zunehmend weltweit, dass die Schw\u00e4cheren auf die kulturellen und heimatlichen Wurzeln angewiesen sind und die Schw\u00e4chung der Kommune durch den Konsumismus erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringt, die sich immer mehr auch in politischen Spannungen zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Kinder geh\u00f6ren Gro\u00dfteiles zu den Verlierern der Globalisierung. Sie ben\u00f6tigen f\u00fcr ihr Leben den kulturellen Boden, um sich einzuwurzeln und daraus die Lebenskr\u00e4fte zu ziehen, die sie f\u00fcr ihre Heilung und ihr sp\u00e4teres Leben ben\u00f6tigen.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Problem vieler traumatisierter Kinder ist ihre Kulturlosigkeit, da sie oft in prek\u00e4ren Familien aufwuchsen, bis hin zu einer Antikultur, wie sie durch Kriminalit\u00e4t, Asozialit\u00e4t, Arbeitslosigkeit, Drogen, \u00dcberschuldung, Gewalt \u2026 beg\u00fcnstigt wird. Diese kulturellen Pr\u00e4gungen wieder aufzuweichen und mit einer \u201en\u00e4hrenden\u201c Kultur zu ersetzen, ist schwierig und braucht lange Zeit, da die Pr\u00e4gungen in den Fundamenten erfolgt sind. Diese Re- oder Enkulturierung ist eine weitere wesentliche S\u00e4ule von Heilung, Resilienz und den Erfolg der beruflichen und sozialen Eingliederung.<\/p>\n\n\n\n<p>Kultur ist im Alltag kein gro\u00dfes Konzept, sondern wird in den kleinen Verrichtungen und Begegnungen gelebt (Lebensstil, Haltungen, Kultur des Essens, Sprechens, der Umgangsformen, der Kleidung, der Hygiene, der Achtung, dem Respekt, \u2026).<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">23.&nbsp;&nbsp; Zuhause<\/h1>\n\n\n\n<p><strong>Haus<\/strong> und <strong>Wohnung sind <\/strong>der reale Lebensort, es ist die Adresse, unter der ich zu erreichen bin, doch ist die Adresse nicht automatisch mein <strong>Zuhause<\/strong>. Im Wort \u201eBehausung\u201c klingen archaische Bed\u00fcrfnisse nach einer bergenden H\u00f6hle durch, die Schutz und Geborgenheit in der Unbill des Lebens bietet und wohin man fl\u00fcchtet. Mit der Wohnung ist auch der Hausstand verbunden, der auch f\u00fcr die soziale Einbettung, das Ansehen und die Stellung der Familie bedeutsam ist: \u201eman ist, was man hat\u201c. Das Erscheinungsbild mittelalterlicher St\u00e4dte ist sichtbarer Ausdruck dieses Bed\u00fcrfnisses, die soziale Stellung sichtbar werden zu lassen. Das Haus und der Hausstand sind auch pr\u00e4gende Faktoren der sozialen Identit\u00e4t und des famili\u00e4ren Selbstbewusstseins.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu Haus und Wohnung, sind <strong>H\u00e4uslichkeit <\/strong>und<strong> Wohnlichkeit<\/strong> ganz andere Qualit\u00e4ten. Es sind keine physischen, sondern Erlebnis- und Erinnerungsorte. Jeder kennt die wohlig aufsteigenden Gef\u00fchle, wenn man die R\u00e4ume und Flure im Haus denkt, in denen man als Kind seine Spielwelten inszenierte. Die Bausteine der H\u00e4uslichkeit sind Erlebnisgeschichten. Ein h\u00e4usliches Haus, eine wohnliche Wohnung sind eine Fluchtburg in den Gefahren des Lebens, sie sind eine Kraftquelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Beobachtet man Kinder, dann kann man ein Pendeln zwischen Drau\u00dfen und Drinnen erleben. Je sicherer sich das Kind f\u00fchlt, desto gr\u00f6\u00dfer wird auch zunehmend der Abstand vom Haus, bis hin zur Abl\u00f6sung in die Erwachsenheit. Doch auch im sp\u00e4teren Leben bleibt das Zuhause ein Ort, der einen heilenden R\u00fcckzug bietet und wo man heilend Regredieren und Erinnerungen wachrufen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Pr\u00e4gende Lebenserfahrungen vieler unserer Kinder war nicht die h\u00e4usliche Geborgenheit, sondern gegenteilig, die existenzielle \u201eEntbergung\u201c durch viele Wohnungswechsel, verbunden mit dem Grundgef\u00fchl, dass einem nichts geh\u00f6rt, man nicht dazugeh\u00f6rt und man \u00fcberall nur ein gelittener Gast ist.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">24.&nbsp;&nbsp; Besitz und \u201eAdel\u201c<\/h1>\n\n\n\n<p>Das Selbstbewusstsein eines Kindes h\u00e4ngt direkt mit dem \u201eBesitz\u201c und dem Ansehen des \u201eAnwesens\u201c zusammen. Doch kann diese Kraft nur wirken, wenn es das Kind als sein Zuhause erlebt. Daher haben wir Confido bewusst nicht als Heim gestaltet (Heim verst\u00e4rkt eher die sozialen Pr\u00e4gungen der Randst\u00e4ndigkeit), sondern als ein Anwesen (Haus mit gr\u00f6\u00dferem Grundbesitz), als Hof, Geh\u00f6ft, was in Niederbayern ein Vierseithof ist. Auch hier findet eine \u00dcbertragung statt: \u2026 es ist <em>unser<\/em> Besitz, worauf <em>ich<\/em> stolz bin. Es mag f\u00fcr therapeutische Ohren trivial klingen, aber das Selbstbewusstsein h\u00e4ngt auf dem Lande an der Anzahl an Hektar und PS der Traktoren. Damit diese Kraft wirken kann, muss alles <strong>uns<\/strong> geh\u00f6ren, im Unterschied zu einem anonymen Leben in einem staatlichen Besitz, oder dem Besitz eines Tr\u00e4gers.<\/p>\n\n\n\n<p>Teil einer besitzenden, wohlhabende Familie mit Ansehen zu sein, ist eine unbewusst wirkende Kraft, die eine neue Identit\u00e4t bewirkt, die durch kein therapeutisches Training zu erreichen ist. Es ist die Grundlage von W\u00fcrde, Stolz und Selbstwert.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne wirken auch unsere Pferde nicht nur im Rahmen der Reittherapie, sondern sie verleihen dem Hof einen \u201eadeligen\u201c Gutshofcharakter. Besitzer von Pferden und eines Reitstalls zu sein, mit einer eigenen Reithalle, adelt den Besitzer und ist eine starke Kraft, asoziale Pr\u00e4gungen und Gef\u00fchle des Unwertes, und traumabedingte Gef\u00fchle der Schuld und der Scham zu \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine besondere Wirkung erleben wir in der niederbayrischen Bauform eines <strong>Vierseithofes<\/strong>. Er bietet eine burgartige Sicherheit mit einem Innenhof, der Geborgenheit vermittelt. Gerade f\u00fcr traumatisierte Kinder ist diese Sicherheit von gro\u00dfer Bedeutung. Wir legen auch gro\u00dfen Wert darauf, dass Besuchskontakte von belasteten Menschen nicht bei uns stattfinden, um die mit dem Ort verbundene innere Sicherheit nicht zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">25.&nbsp;&nbsp; K\u00f6rperlichkeit<\/h1>\n\n\n\n<p>Die Frage ist, wie die heilende Kr\u00e4fte vermittelt werden k\u00f6nnen. Das eine sind Worte, doch auch hier weniger das \u201eWas\u201c, sondern das \u201eWie\u201c. Mit unserer Stimme, Modulation, Lautst\u00e4rke, begleitende Mimik und Gestik, formen wir Begegnung. Das andere ist die Ber\u00fchrung als die unmittelbarste Kraft, besonders beim Kind. K\u00f6rperkontakt gibt den Milieukr\u00e4ften erst ihre Kraft. Was w\u00e4re M\u00fctterlichkeit ohne die Ber\u00fchrung des Kindes; was Geborgenheit ohne die M\u00f6glichkeit, jemand in den Arm nehmen zu k\u00f6nnen; was Kindlichkeit, ohne die M\u00f6glichkeit, auf dem Scho\u00df sitzen zu k\u00f6nnen; was w\u00e4re Vertrautheit, ohne die Hand des anderen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn des menschlichen Lebens im Mutterleib, besteht die Beziehung ausschlie\u00dflich k\u00f6rperlich. Nach der Geburt pr\u00e4gt die Weise, wie das Kind k\u00f6rperlich angenommen wird, seine Bild von der Welt drau\u00dfen. Unbewusste Einstellungen der Mutter gestalten sich unbewusst in der Weise, wie sie das Kind ber\u00fchrt. Ist es ein geliebtes Wunschwesen, oder eine st\u00f6rende Beeintr\u00e4chtigung \u2013 ihre H\u00e4nde sind das Ausdrucks-Organ, ihres unbewussten Bildes vom Kind. Hier geschehen die ersten Grundpr\u00e4gungen \u00fcber die Welt und erfolgen die ersten Urverletzungen der Seele des Kindes. Ist die Welt ein wohliger Ort des Willkommenseins, oder ein abweisender Ort der Ungew\u00fcnscht- und Unbeliebtheit? Werde ich in die Liebe von Menschen hineingeboren, oder in eine Welt, die angef\u00fcllt ist mit Gef\u00fchlen der Angst und Unsicherheit? Nicht nur der leibliche K\u00f6rper, sondern auch die Seele werden geboren und damit auch das Urvertrauen oder das Urmisstrauen als Lebensfundament.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Menschen tritt \u00fcber seinen K\u00f6rper in eine erste \u201esinnliche\u201c Ber\u00fchrungs-Beziehung mit der Welt. Haut und Mund, Ber\u00fchrungen und Trinken, sind die Eingangspforten in die neue Lebenssph\u00e4re. Diese ersten <strong>Urber\u00fchrungen<\/strong> treten an die Stelle des ganzheitlichen intrauterinen Lebensgef\u00fchls. Nach dem schwerelosen Schweben erlebt das Kind nun seine eigene Masse, seine Schwere, sein Gewicht und sp\u00fcrt Druck und Temperatur auf der Haut. Aus der uterinen Welt sind die Gef\u00fchle vertraut, die durch den Mund, den eigenen Daumen und die Brust der Mutter vermittelt werden. Diese ersten Ber\u00fchrungen vermitteln die Urerfahrung mit der Welt, die vorrangig durch die Mutter vermittelt werden; hinzukommen die ersten sinnlichen Erfahrungen von Geschmack und Geruch.<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00e4he bedeutet in den ersten Lebensjahren vor allem K\u00f6rperkontakt. Das Gef\u00fchl, gehalten, ber\u00fchrt und gestreichelt zu werden, vermittelt dem S\u00e4ugling Sicherheit und Geborgenheit. Diese fundamentalen Empfindungen sind grundlegend f\u00fcr die k\u00f6rperliche und psychische Entwicklung des Babys. Beim Kind bildet sich so ein Grundgef\u00fchl heraus, das den weiteren Lebensweg entscheidend mitbestimmt. Es f\u00fchlt sich aufgehoben, die Menschen sind ihm wohlgesonnen, die Welt ist ein sicherer Ort, es erh\u00e4lt Schutz und Hilfe, wenn es sie braucht. Wie wichtig gerade K\u00f6rperkontakt ist, zeigen Untersuchungen an Fr\u00fchgeborenen. (http:\/\/www.rund-ums-baby.de\/baby\/geborgenheit.htm)<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses sinnlich-sensible und sensorische Urerlebnis ist gleichsam ein unterstes Fundament, mit dem das Kind mit der Welt in Beziehung tritt, es ist die Basis des <strong>Urvertrauens<\/strong>. Auch im sp\u00e4teren Leben liegt unter allem Kognitiven diese Schicht der K\u00f6rperlichkeit, worin Sexualit\u00e4t, Essen, Trinken und alle regressiv-sinnliches Erlebensqualit\u00e4ten gr\u00fcnden. Diese Schicht hat als unterste einen direkten Zugang zu den elementaren Kraftquellen, die wir f\u00fcr die Regeneration bed\u00fcrfen. Burning-Out ist u.a. oft die Unf\u00e4higkeit, sich aus diesen Quellen Kraft zu holen, wozu Kinder noch imstande sind. Geborgenheit ist auf dieser Ebene das Erleben einer tiefen Zufriedenheit und Harmonie, die kognitive Erkenntnisse nicht vermitteln k\u00f6nnen. St\u00f6rungen in diesem Bereich werden als tiefgreifender Mangelzustand erlebt. Bildlich gesprochen, ist es der Mangel an Urerfahrung, sich vom Hauterleben, von der W\u00e4rme, von oralen Gef\u00fchlen forttragen zu lassen, wie sie das Kind nach dem traumatischen Geburtserlebnis braucht. Geburt ist das erste Lebenstrauma, dessen Heilung ist das erste Vertrauensfundament.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei unseren Kindern k\u00f6nnen wir dieses Urbed\u00fcrfnis noch sehr ausgepr\u00e4gt erleben; sie sind noch pr\u00e4gungsoffen, jedoch nur, wenn eine entsprechende sensible Ber\u00fchrungskultur gegeben ist. Ber\u00fchrungen, Umarmen, in den Arm nehmen, Hochheben, Schaukeln, u.v.m. sind Ausdrucksweisen, dem Kind dieses Angenommen- und Angekommen-Sein zu vermitteln. Wir erleben dieses elementare Bed\u00fcrfnis nach k\u00f6rperlicher N\u00e4he nicht nur bei unseren kleineren Kindern, es ist auch bei den gr\u00f6\u00dferen noch vorhanden, doch nimmt diese M\u00f6glichkeit mit dem \u00c4lterwerden ab, wenn k\u00f6rperlich-sinnliche Kontakte dann als unpassend gewertet werden. K\u00f6rperlichkeit ist die st\u00e4rkste direkte Kraft der Heilung.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei vielen traumatisierten Menschen beeintr\u00e4chtigt die gest\u00f6rte K\u00f6rperlichkeit das Lebensgef\u00fchl, weil k\u00f6rperliche Beziehungen durch das Trauma triggerartig vorbelastet sind (Levine \u2013 K\u00f6rperged\u00e4chtnis). Gelingt es jedoch, diese Konditionierungen zu \u00fcberwinden, k\u00f6nnen hierdurch den negativen Erlebnissen und K\u00f6rpergef\u00fchlen neue Erfahrungen entgegengestellt werden \u2013 ein Aufl\u00f6sen alter Pr\u00e4gungen ist meist nicht m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">26.&nbsp;&nbsp; Der Engelkreis<\/h1>\n\n\n\n<p>Nach dem Leitsatz unserer P\u00e4dagogik: das Kind in die Selbstverantwortung zu f\u00fchren, geh\u00f6ren dazu auch die erforderlichen Kompetenzen. Verantwortung kann ich nur f\u00fcr etwas \u00fcbernehmen, was ich auch kann, oder ich bereit bin, mir die erforderlichen F\u00e4higkeiten anzueignen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sich auf den oft m\u00fchevollen Weg zu machen, sich f\u00fcr etwas Kompetenzen anzueignen, gelingt nur, wenn darin ein Sinn erkennbar wird, der f\u00fcr mich bedeutsam ist, oder der f\u00fcr einen mir wichtigen Menschen bedeutsam ist. Nur dieser Sinn kann die Flamme der Begeisterung entz\u00fcnden. Gelingt dies, geschieht Lernen meist von alleine, was nicht hei\u00dft, dass die t\u00e4glichen Hausaufgaben, das Zimmer aufzur\u00e4umen und Geschirr zu sp\u00fclen, eine immer neue Herausforderung darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wird die \u201eKunst\u201c der P\u00e4dagogik erkennbar, mit Kreativit\u00e4t eine positive Motivation, im Idealfall eine Begeisterung, f\u00fcr scheinbar Banales zu wecken, die nicht nur ein Strohfeuer ist. Wir haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass Kinder f\u00fcr alles zu begeistern sind, wenn der Funke durch einen selbst begeisterten Menschen entz\u00fcndet wird. Begeisterung kann einen sich selbst verst\u00e4rkenden Engelkreis schlie\u00dfen, worin etwas zu einem Erlebnis wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Alltag ist aber auch grau und es gilt etwas zu tun, obwohl man gerade nicht begeistert davon ist und auch kein Begeisterer da ist. Dies ist die Kunst, erlebbar positive R\u00fcckmeldungen langsam zeitlich l\u00e4nger zu spannen und die kindlich unmittelbare Bed\u00fcrfnisbefriedigung f\u00fcr ein h\u00f6heres Ziel aufschieben zu lernen. K\u00fcr und Pflicht m\u00fcssen unterschieden werden. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">27.&nbsp;&nbsp; Prognose<\/h1>\n\n\n\n<p>Unsere lange Erfahrung mit Traumen hat uns eine grundlegende Erkenntnis gelehrt. Der Erfolg, ein Trauma zu \u00fcberwinden, kann durch viele Methoden und Bedingung unterst\u00fctzt werden, entscheidend ist jedoch der Wille des Betroffenen, sich auf den Weg zu machen. Traumen ziehen die Betroffenen in den Strudel des Selbstmittleides, sie beg\u00fcnstigen Ausreden, weil man einen Grund benennen kann und in Schuld und Scham gefangen ist. Ung\u00fcnstig wird die Prognose, wenn Helfer sich davon benutzten lassen und Mitleid \u2013 wie immer berechtigt \u2013 das eigene Handeln blockiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Erfahrung haben gezeigt, dass der einzig erfolgreiche Weg nur darin bestehen kann, die Betroffenen ins Handeln, und Gehen, zu bringen, sie ins Leben zu locken, oftmals auch zu ziehen, zu dr\u00fccken, zu schieben. Es muss die Verantwortung f\u00fcr das eigene Leben wachsen, die nicht auf andere, Kliniken, Therapeuten, Medikamente, den Staat abgeschoben werden darf. Das beste Mittel dazu, ist Leben als permanente Entwicklung zu begreifen und darin den Kindern ein erlebbares Vorbild zu sein. Traumen kann man nicht wegtherapieren. Man kann nur den Betroffenen st\u00e4rken und immer wieder ermutigen, sich auf den Weg zu machen und sein Leben neue zu gestalten, wie es die Betroffene, die zu Beginn zu Wort kam, sehr anschaulich ausdr\u00fcckt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.&nbsp; Die Weisheit der Betroffenheit Die Richtung unserer Suche gab uns die Erfahrungen von traumatisierten Menschen vor. Betroffene, die sich ihrem Schicksal gestellt und dieses in ihr Leben integriert haben, verf\u00fcgen \u00fcber eine besondere Kompetenz f\u00fcr die Heilung (Expertentum der eigenen Betroffenheit). Diese gilt in vielen anderen Bereichen auch. 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