{"id":5685,"date":"2021-02-13T11:21:10","date_gmt":"2021-02-13T11:21:10","guid":{"rendered":"https:\/\/confido-initiativen.de\/?p=5685"},"modified":"2021-03-04T12:27:44","modified_gmt":"2021-03-04T12:27:44","slug":"bindung-und-bindungsstoerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/confido-initiativen.de\/index.php\/2021\/02\/13\/bindung-und-bindungsstoerung\/","title":{"rendered":"Bindung und Bindungsst\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<a href=\"javascript:history.back();\">Zur\u00fcck (vorhergehende Seite)<\/a>\n\n\n\n<div style=\"height:27px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\t\t\t\t<div class=\"wp-block-uagb-table-of-contents uagb-toc__align-left uagb-toc__columns-1  uagb-block-45a47be7 AB     \"\n\t\t\t\t\tdata-scroll= \"1\"\n\t\t\t\t\tdata-offset= \"155\"\n\t\t\t\t\tstyle=\"\"\n\t\t\t\t>\n\t\t\t\t<div class=\"uagb-toc__wrap\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"uagb-toc__title\">\n\t\t\t\t\t\t\tInhaltsverzeichnis\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"uagb-toc__list-wrap \">\n\t\t\t\t\t\t<ol class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#toc_69a474c52c5a7\" class=\"uagb-toc-link__trigger\"><\/a><ul class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#1kl\u00e4rung-bindung\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">1.\u00a0Kl\u00e4rung: Bindung<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#2-kl\u00e4rung-beziehung\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">2. Kl\u00e4rung: Beziehung<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#3bindung-und-beziehung-bei-kindern\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">3.\u00a0Bindung und Beziehung bei Kindern<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#4urvertrauen-urbindung\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">4.\u00a0Urvertrauen \/ Urbindung<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#5gesunde-entwicklung\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">5.\u00a0Gesunde Entwicklung<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#6bindungsst\u00f6rung\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">6.\u00a0Bindungsst\u00f6rung<\/a><ul class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#61-entwicklung-einer-bindungsst\u00f6rung\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">6.1.\u00a0\u00a0 Entwicklung einer Bindungsst\u00f6rung<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#62-identit\u00e4t\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">6.2.\u00a0\u00a0 Identit\u00e4t<\/a><\/li><\/ul><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#7heilung-therapie\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">7.\u00a0Heilung \/ Therapie<\/a><ul class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#71-\u00fcberlebensstrategien\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">7.1.\u00a0\u00a0 \u00dcberlebensstrategien<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#72-erkenntnis\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">7.2.\u00a0\u00a0 Erkenntnis<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#73-heilende-regression\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">7.3.\u00a0\u00a0 Heilende Regression<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#74-vertrauen\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">7.4.\u00a0\u00a0 Vertrauen<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#75-liebe\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">7.5.\u00a0\u00a0 Liebe<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#76-heilendes-milieu\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">7.6.\u00a0\u00a0 Heilendes Milieu<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#77-die-abgespaltenen-m\u00fctter\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">7.7.\u00a0\u00a0 Die abgespaltenen M\u00fctter<\/a><\/li><\/ul><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#8prognose\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">8.\u00a0Prognose<\/a><\/ul><\/ol>\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><\/h1>\n\n\n\n<p>Fast alle Kinder kommen mit der Diagnose \u201eBindungsst\u00f6rung\u201c zu uns. Das \u201eBindungssystem\u201c wieder zu \u00f6ffnen und sie bindungsf\u00e4hig zu machen, ist ein erstrangiges Ziel unserer Arbeit. Um handlungsf\u00e4hig zu werden, m\u00fcssen wir die tieferliegenden Ursachen verstehen, die reine Beschreibung einer Bindungsst\u00f6rung hilft dazu wenig. Nachfolgend ein Versuch, dieses \u201escheue Wesen\u201c Bindung zu erahnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1.&nbsp;Kl\u00e4rung: Bindung<\/h2>\n\n\n\n<p>Bindung ist ein sehr schillernder Begriff, der etwas benennt, was schwer zu fassen und damit auch schwer zu definieren ist. Die Unsicherheit dr\u00fcckt die Definition bei Wikipedia aus: <em>\u2026, dass Menschen ein angeborenes Bed\u00fcrfnis haben, enge und von intensiven Gef\u00fchlen gepr\u00e4gte Beziehungen zu Mitmenschen aufzubauen.<\/em>&nbsp;Dies trifft jedoch nicht nur f\u00fcr Menschen zu, sondern ist auch bei Primaten zu finden. Aber auch unsere Haustiere, z. B. Hunde, sind an ihre Herrchen und Frauchen \u201egebunden\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Bindung ist eine ganz besondere Lebens-Wirklichkeit, die von intensiven Gef\u00fchlen bestimmt ist. Bindung hat ihre eigene \u201eSprache\u201c (emotional, prim\u00e4rprozesshaft, restringiert \u2026), begleitet mit einer eigenen K\u00f6rpersprache und oft verbunden mit K\u00f6rperkontakt. Freunde wollen wir in den Arm nehmen und mit ihnen Essen gehen. Mit ihnen kommunizieren wir anders als mit Gesch\u00e4ftspartnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Grundlage von Bindung ist eine innere Verbundenheit. <strong>Vertrauen<\/strong> ist das Fundament, auf dem Bindung steht. Vertrauen ist der Boden, worin Bindung wurzelt und woraus sie ihre Lebenskraft zieht. Wir f\u00fchlen uns an die Menschen gebunden, denen wir vertrauen, was auch umgekehrt gilt: wir vertrauen Menschen, an die wir gebunden sind. Noch direkter ausgedr\u00fcckt, ist <strong>Liebe<\/strong> das Band, das Menschen verbindet.<\/p>\n\n\n\n<p>Bindung geschieht nicht nur zwischen Menschen. Der Fan hat eine emotionale Bindung zu seinem Verein, den er liebt. Sein Verhalten gegen\u00fcber diesem Club gleicht dem Verhalten gegen\u00fcber ihm lieben Menschen. Er freut sich, wenn die Fu\u00dfballmannschaft gewinnt und ist traurig, wenn sie verliert. Es ist eine Bindung, die lebenslang besteht. Auch der Motoradfan hat eine fast erotisch-emotionale Bindung an sein Bike, worauf auch Abbildungen mit Pin-Up-Girls und Motorr\u00e4dern und Autos hinweisen. Oft werden Bindungsdefizite in der Kindheit im sp\u00e4teren Leben auf solche Objekte \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Kl\u00e4rung: Beziehung<\/h2>\n\n\n\n<p>Unsere allt\u00e4glichen Kontakte werden nur im geringen Ma\u00dfe durch Vertrauen und Liebe bestimmt. Die Beziehungen werden durch Interessen \u201egeregelt\u201c. F\u00fcr die Kl\u00e4rung von Bindung, ist daher die Abgrenzung zu dieser anderen Qualit\u00e4t der Interaktion wichtig, die wir als <strong>Beziehung<\/strong> bezeichnen. Bindung steht Beziehung gegen\u00fcber, auch wenn beide Begriffe oft synonym gebraucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen eine gute Beziehung zu einem Menschen haben, ohne an ihn gebunden zu sein. Bindung ist sehr viel mehr als Beziehung. Beziehungen kann man schnell kn\u00fcpfen und auch schnell wieder l\u00f6sen, nicht Bindungen. Werden Bindung gel\u00f6st, l\u00f6st dies Trauer aus; wir erleiden einen tiefen Verlust und es bleiben schmerzende Narben zur\u00fcck. Bindung k\u00f6nnen wir uns nicht einfach aus der Seele rei\u00dfen, sie ist darin tief eingewurzelt. Auch wenn wir den sichtbaren Teil der Pflanze abschneiden, kann aus den verbliebenen Wurzen die Bindung schnell wieder aufleben, was der lebenslang bestehenden Abh\u00e4ngigkeit von einem Suchtmittel gleicht, aber auch Co-Abh\u00e4ngigkeit verstehbar macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Gekl\u00e4rte und definierte Beziehungen sind die Grundlage des Zusammenlebens. Bindung ist dagegen von schwer zu definierenden Gef\u00fchlen bestimmt; sie geschieht in einem \u201eRaum\u201c, in dem nicht die Ratio und die Logik herrscht. Im Gegensatz dazu, ist Beziehung kausal. Sie wird durch Vereinbarungen, Gesetze und Regeln definiert, sie wird vereinbart. <strong>Beziehungsf\u00e4higkeit<\/strong> ist gegeben, wenn die mit Beziehung verbundenen Vor- und Nachteile erkannt und als Basis f\u00fcr das Zusammenleben akzeptiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Grundlage ist die Erkenntnis des <strong>Ausgleichs<\/strong>, das hei\u00dft, Geben und Nehmen m\u00fcssen balanciert sein, was f\u00fcr Kinder oft schwer zu verstehen ist, die vom Lustprinzip geleitet sind und die nur Vor- und keine Nachteile haben wollen. Menschliche Reife und soziale M\u00fcndigkeit h\u00e4ngen am Verstehen dieses <strong>sozialen Grundgesetzes<\/strong>. Dies zu erreichen, ist die Aufgabe von Erziehung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3.&nbsp;Bindung und Beziehung bei Kindern<\/h2>\n\n\n\n<p>Damit wird die enorme Bedeutung von Bindung f\u00fcr das Kind erkennbar, das noch nicht in einer kausalen Wirklichkeit lebt und dessen Tun nicht durch rationale und logische Kriterien geleitet ist. Es ist noch nicht vereinbarungs- und damit auch nicht beziehungsf\u00e4hig. Andere Kriterien \u2013 Bindung \u2013 bestimmt sein Leben; Vertrauen leitet sein Verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Kinder treten \u00fcber Bindung in die Welt und nicht \u00fcber Beziehung. Kinder sind an ihre Eltern gebunden, aber auch an ihre Kuscheltiere. Am Kuscheltiere wird etwas Wesentliches erkennbar: es wird in der Bindung zu einem <strong>Subjekt<\/strong> zu einem lebendigen Wesen, zu einem Du, was auch die oft lebenslange Bindung erkl\u00e4rt. Erst sp\u00e4ter kommt Beziehung in das Leben des Kindes und damit auch die Welt der <strong>Objekte<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Was geschieht wirklich, wenn das Kind eine Bindung eingeht?<\/p>\n\n\n\n<p>Verwenden wir die beiden Begriffe Subjekt und Objekt, um das Geschehen besser zu verstehen. Die Mutter tritt als inneres Subjekt in das Leben des Kindes. Das Kind erweckt die Mutter zu einem \u201elebendigen Wesen\u201c in sich. Das Kuscheltier wird im Kind lebendig, in der Innenwelt neu geschaffen, dort zum Leben erweckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist auch das Geheimnis der Bindung in der Liebe erahnbar: wir erschaffen den Geliebten in uns neu, nicht als Abbild des realen Menschen, sondern als Ideal, als Wesen in unseren Gedanken und Tr\u00e4umen. Vielleicht ist dies das unverstandene Wesen von Tr\u00e4umen. In unseren Tr\u00e4umen betreten wir den Innenraum, wo die von uns erschaffenen Idealwesen leben. In Tr\u00e4umen leben und festigen wir die Bindung.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit zunehmendem Leben entsteht die \u00e4u\u00dfere Realit\u00e4t, worin auch die inneren Subjekte leben, sie werden zweifach: \u00e4u\u00dfere und innere Subjekte. In einem n\u00e4chsten Schritt erhalten diese Subjekt auch Eigenschaften und F\u00e4higkeit, mit denen man in Beziehung treten kann. Das Kind betritt die Welt der Beziehungen, worin die Objekte wohnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bindung besteht zwischen inneren Subjekten. Damit wird auch verstehbar, was uns die Bindungsforschung gelehrt hat: besteht Bindung, dann kann die Mutter den Raum verlassen, ohne dass das Kind panisch wird, denn die Mutter ist ja in ihm noch da. Wer sich seiner Liebe sicher ist, der muss sie sich nicht unabl\u00e4ssig versichern, denn der andere wohnt ja in seinem Herzen. Dies gilt allgemein: alles, an was wir gebunden sind, ist nicht in der Weise verlierbar, wie Objekt verlierbar sind \u2013 es ist ein Teil von uns, Teil unseres Wesens.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Erleben des grunds\u00e4tzlichen Unterschiedes zwischen einem Objekt und einem Subjekte, zwischen Beziehung und Bindung, ist die Welt geteilt. Im Kind steigt die Ahnung auf, dass es selbst nicht nur Subjekt einer unbewussten Bindung, sondern auch Objekt einer bewussten Beziehung ist. Es wird sich als Ich bewusst, das selbst als Ich eine objekthafte Beziehung eingehen kann.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Die Unterscheidung zwischen Bindung und Beziehung macht noch eine weitere Kl\u00e4rung m\u00f6glich. In einer Bindung besteht eine innere Verbundenheit. Das Kind hat die Mutter verinnerlicht und die Mutter das Kind. Das Miteinander geschieht nicht eigentlich im Au\u00dfen, sondern im Innen. Ist dieses Ideal in der Seele zum Leben erweckt worden, dann bleibt dieses \u201einnere Wesen\u201c lebenslang bestehen, auch wenn es \u00e4u\u00dferlich nicht mehr das Leben bestimmt. Wir bleiben lebenslang Gebundene. Wer verliebt war, der hat erlebt, dass auch nach der Trennung, der oder die Geliebte im Herzen lebendig bleibt und immer ein Sehnsuchtspunkt ist, der oft durch eine negative Gegenbesetzung ausgegrenzt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Bindung ist keine berechnende und abw\u00e4gende Beziehung, sondern hat ihren ganz eigenen Zauber, der mit dem Wort <strong>Hingabe<\/strong> vage erfasst werden kann. An einen Menschen, an den ich gebunden bin, dem gebe ich mich hin, ohne Wenn und Aber. Gelingt es Menschen, sich in eine Bindung zu schleichen, dann k\u00f6nnen sie sich Vieles \u201eerschleichen\u201c, was von au\u00dfen oft unverst\u00e4ndlich erscheint. Die magische Kraft der Hingabe in der Bindung macht es verst\u00e4ndlich. In der Hingabe ist kein Abw\u00e4gen, wie es das Verhalten regelt. Wo immer Bindung anschwingt, schwingen auch die fr\u00fchen, pr\u00e4rationalen Erlebnisse an und die damit verbunden Gef\u00fchle der Urgeborgenheit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4.&nbsp;Urvertrauen \/ Urbindung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Zwillingsschwester von Bindung ist Vertrauen. Urvertrauen kann auch als Urbindung verstanden werden, als eine innere Verbundenheit mit dem Leben, als Urgeborgenheit im Leben. Wer auf diesem sicheren Fundament seht, f\u00fcr den ist das Leben ein sicherer Ort, mit offenen Bindungsstellen, vergleichbar gereichten H\u00e4nden. Urmisstrauen ist in diesem Kontext die Urbindungslosigkeit, und die Welt ein abweisender und verschlossener Ort. Zwei diametral gegens\u00e4tzliche Leben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5.&nbsp;Gesunde Entwicklung<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr eine gesunde Entwicklung ist beides erforderlich: Bindung und Beziehung, Subjekte und Objekte. Vertrauen und Vorsicht, Hingabe und Berechnung, N\u00e4he und Distanz. Bindung ist das Fundament, ist die Identit\u00e4t, auf der das Lebenshaus steht. Gelingendes Leben ist die Synergie dieser sehr gegens\u00e4tzlichen Qualit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bindung ist auch die Grundlage der <strong>ethischen Reife. <\/strong>Sie ist mehr als nur die Balance von Geben und Nehmen, es ist die F\u00e4higkeit, eigene Nachteile f\u00fcr das Leben des Ganzen, oder einen anderen Menschen, in Kauf zu nehmen. Ethische Reife ist kein Verhalten, das von Vorteilen bestimmt ist, sondern kommt aus dem Erleben, selbst der \u00fcberreichlich Empfangende zu sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6.&nbsp;Bindungsst\u00f6rung<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6.1.&nbsp;&nbsp; Entwicklung einer Bindungsst\u00f6rung<\/h3>\n\n\n\n<p>Damit wird deutlich, dass eine St\u00f6rung der Bindung, die Lebenssynergie schwer beeintr\u00e4chtigt, z.T. unm\u00f6glich macht. F\u00fcr das Verstehen ist die Unterscheidung grundlegend: Bindungsst\u00f6rung ist etwas ganz andere als eine Beziehungsst\u00f6rung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lebens-Wirklichkeit des Kindes ist f\u00fcr uns Erwachsene schwer zu verstehen. Innen- und Au\u00dfenwelt sind noch nicht getrennt; die Grenze zwischen Innen und Au\u00dfen ist noch durchl\u00e4ssig; die Welt besteht nur aus Subjekten. Erst langsam trennt sich das Subjekt Mutter in eine \u00e4u\u00dfere und eine innere Mutter. Besteht im Erleben des Kindes Einklang zwischen beiden, ist die Welt des Kindes in Ordnung. Es besteht Bindung im Sinne von Verbundenheit, von Einheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Konflikt tritt in das Leben des Kindes, wenn in dieser Dyade Disharmonie auftritt und die reale Mutter nicht zur idealen passt. Angst, die sich bis zur Verzweiflung steigern kann, ist die Folge. Wenn sich beide \u201eM\u00fctter\u201c wieder zusammenf\u00fcgen, ist dies als tiefe Entspannung am Kind zu erleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt eine Disharmonie bestehen, die sich f\u00fcr das Kind nicht aufl\u00f6st, ist dies der Kern einer Bindungsst\u00f6rung, der Verletzung der inneren Verbundenheit, der Einheit. Dass immer wieder Spannungen zwischen Innen und Au\u00dfen auftreten, ist f\u00fcr die Entwicklung erforderlich. Das Kind kann damit umgehen, wenn es die Erfahrung kennt, dass doch immer wieder Einheit entsteht. Eine St\u00f6rung entsteht, wenn das Kind diese Spannung nicht aufl\u00f6sen kann. Die Folge ist die Spaltung der Mutter in einen Teil, der dem Innenideal entspricht und einem anderen, fremden Teil, der nicht in Einklang gebracht werden kann. Diese \u201efremde Mutter\u201c kann das Kind nicht integrieren, sie ist nicht Teil der inneren Verbundenheit. Da das Kind noch nicht \u00fcber Verhaltensweisen verf\u00fcgt, damit umzugehen, kann sie diese Anteile nur inselartig ausgrenzen, um seine \u201eheile Welt\u201c zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter, wenn das Kind kognitiv imstande ist, das Leben auch zu bewerten, erh\u00e4lt dieses fremde Subjekt seinen Ort im Koordinatensystem, es wird zu einem Objekt. Dies gilt allgemein: alles, was nicht gebunden ist, wird zu einem Objektkeim und damit zu einem \u201eWesen\u201c der objektiven Welt. Gegen\u00fcber Objekten verh\u00e4lt man sich. Das Problem bindungsgest\u00f6rter Kindern ist, dass z. B. die Mutter beides ist: gebundenes, vertrautes Subjekt und durch Verhalten geregeltes Objekt. Dieses Grundmuster, wird auf die Welt generalisiert, was auch die Entwicklung von Beziehung erschwert, denn Beziehung und Bindung k\u00f6nnen nicht klar abgegrenzt werden, sie verschwimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die oft widerspr\u00fcchlichen Verhaltensweisen solcher Kinder werden dadurch verstehbar: die Welt ist nicht eindeutig, sondern mehrdeutig. Die Trennung von Subjekten und Objekten ist erschwert, da beide innerlich verbunden erscheinen. Sie gehen Bindung ein, doch mit Vorbehalt, dass darin auch ein fremder Anteil ist, der mit Misstrauen besetzt ist. Und sie gehen Beziehungen ein, nicht als definiertes Verhalten, sondern verbunden mit Hingabe, was immer wieder Entt\u00e4uschung ausl\u00f6st, verbunden mit Erinnerungsgef\u00fchlen der fr\u00fchkindlichen Verzweiflung.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese grundlegende Unsicherheit in der Welt erschwert das Zusammenleben, denn Bindung und Beziehung verschwimmen und damit auch die Welt der Subjekte und der Objekte, des Eigen und Fremd, der N\u00e4he und der Distanz. Damit wird auch verstehbar, warum diese Menschen sich ein St\u00fcck aus dem Leben nehmen und sich an Formales klammern, das ihnen Sicherheit gibt. Einfacher ist es, alles als Objekt zu verstehen, was den hohen Preis h\u00f6herer Qualit\u00e4ten fordert, wie sie in nur der Welt der Bindung wachsen. Innere Spannungen sind auch die Ursache von Aggressionen und von R\u00fcckzug. Es sind \u00dcberlebensstrategien in einer unsicheren, \u00e4ngstigenden Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wird die Einteilung der Bindungsst\u00f6rung in eine gehemmte und eine ungehemmte Form verstehbar. Es sind die beiden Weisen, diesen inneren Konflikt auszuleben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6.2.&nbsp;&nbsp; Identit\u00e4t<\/h3>\n\n\n\n<p>Bindung ist die Bedingung f\u00fcr etwas sehr Grundlegendes: der menschlichen <strong>Identit\u00e4t<\/strong>. Die Mutter ist als erster Bindungspartner der Spiegel des Kindes. Ist dieser Spiegel inkonsistent, dann ist auch das Bild des Kindes von sich gespalten, in einen vertrauten und einen fremden Teil. Wie einem Teil der Mutter nicht getraut werden kann, kann ein solches Kind auch sich selbst nicht vollst\u00e4ndig trauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses tiefe Misstrauen, nicht nur gegen\u00fcber der Welt, sondern auch gegen\u00fcber sich selbst, ist etwas, was bei bindungsgest\u00f6rten \/ traumatisierten Menschen durchg\u00e4ngig zu finden ist. Ich kann mir selbst nicht trauen, denn ich wei\u00df nicht, welche Anteile von mir sich im Keller verstecken und nachts herauskommen. Besteht eine solche Identit\u00e4tsschw\u00e4che, wird das Leben vorrangig auf Beziehung aufgebaut, das hei\u00dft, auf Kontrolle und nicht auf Hingabe und Vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit verbunden sind Schw\u00e4chen des Selbstbewusstseins und des Selbstwerts. Wer sich seiner selbst nicht sicher ist, vermeidet Bindung, aus Angst, das br\u00fcchiges \u201eSelbst\u201c zu gef\u00e4hrden (Verletzlichkeit \/ D\u00fcnnh\u00e4utigkeit).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7.&nbsp;Heilung \/ Therapie<\/h2>\n\n\n\n<p>Damit stellt sich die Frage, wie eine solch tiefgreifende Dysbalance geheilt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7.1.&nbsp;&nbsp; \u00dcberlebensstrategien<\/h3>\n\n\n\n<p>Bei bindungsgest\u00f6rten Kindern stehen oft \u00dcberlebensstrategien im Vordergrund und beeintr\u00e4chtigen nicht nur die Entwicklung, sondern das Zusammenleben. Vorrangiges Ziel von P\u00e4dagogik und Therapie ist, diese beeintr\u00e4chtigenden \u00dcberlebensstrategien zu ver\u00e4ndern, was meist nur unzureichend gelingt. Solche st\u00f6renden Verhaltensweise gleichem dem Umsichschlagen des Ertrinkenden, was verstehbar macht, warum es die Angst des Ertrinkenden noch verst\u00e4rkt, w\u00fcrde man dieses \u00dcberlebensverhalten unterbinden. Dies erkl\u00e4rt auch die Schwierigkeiten eines heilenden Weges, diese st\u00f6renden Verhaltensweise auszuhalten, was ein tieferes Verstehen des Kindes bei den Bezugspersonen erfordert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Grundfrage ist, ob Bindungsst\u00f6rungen zu heilen sind, oder den Betroffenen nur Techniken an die Hang gegeben werden k\u00f6nnen &#8211; Prothesen \u00e4hnlich &#8211; mit seiner St\u00f6rung zu leben, das hei\u00dft, seine Beziehungs-Kompetenz zu verbessern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7.2.&nbsp;&nbsp; Erkenntnis<\/h3>\n\n\n\n<p>Bindungsst\u00f6rungen sind keine einfachen \u201eSt\u00f6rungen\u201c einer psychischen Funktion, sondern ein tiefgreifendes Geschehen, das die Fundamente des Lebens betrifft und die Entfaltung beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Um Bindungsst\u00f6rungen zu heilen, oder neue Bindungen zu kn\u00fcpfen, muss das Kind offen f\u00fcr Bindung sein. In der Kindheit geh\u00f6rt <strong>Bindungsoffenheit<\/strong> zum nat\u00fcrlichen Wesen des Kindes, es ist die unbewusste Liebe zwischen dem Kind und seinen engen Bezugspersonen. Im Erwachsenenalter ist es die <strong>Liebe<\/strong>, die das Bindungssystem wieder \u00f6ffnet. Aus der Sicht von Bindung, ist sie eine Regression auf die kindliche Stufe. Verliebte regredieren in ihrer Sprache, Gestik und K\u00f6rperlichkeit auf die Stufe von Kindern. Die verliebte Welt ist \u2013 wie Bindung \u2013 arational, vorrangig von Emotionen bestimmt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Damit werden die beiden Wege erkennbar, Bindung zu kn\u00fcpfen: die <strong>Regression<\/strong> auf die kindliche Entwicklungsstufe, worin das Bindungssystem noch offen ist, und die <strong>Liebe<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7.3.&nbsp;&nbsp; Heilende Regression<\/h3>\n\n\n\n<p>Je j\u00fcnger das Kind ist, desto offener ist das Bindungssystem, weil der rationale Zensor noch nicht die Eintrittst\u00fcren in die Seele bewacht; desto verletzlicher ist aber auch das Kind, was die leidvollen Erfahrungen mit Missbrauch zeigen. Die Heilung von Bindungsst\u00f6rungen erfordert daher Bedingungen, in denen das Kind sich wieder in diese fr\u00fche Phase \u201ezur\u00fcckfallen\u201c lassen kann. Dies ist schnell formuliert, doch aus der Warte des Erwachsenen, schwierig zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Welt der Bindung ist arational. Damit ist schone eine erste Bedingung benannt: wir m\u00fcssen die Kommunikation aus der rationalen Welt herausl\u00f6sen und in eine emotionale Wirklichkeit einbetten. Dies ist im Zusammenleben einer Wohngruppe, einer Schule, einer Klinik schwierig, da formale Kriterien, Ordnungen und Reglungen das Leben bestimmen. Die Anweisungen sind rational, das Miteinander vorrangig eine Wenn-Dann-Beziehung. Psychologisch definiert, ist es eine bewusste, <strong>explizite Wirklichkeit<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz dazu ist der \u201eBindungsraum\u201c eine unbewusste, <strong>implizite Wirklichkeit<\/strong>. Nicht rationale Gesetzlichkeiten bestimmen die Kommunikation, sondern unbewusste Emotionen, Bilder, Kr\u00e4fte, Symbole, Ber\u00fchrungen &#8230;, es ist ein alogischer und akausaler Denk- und Wahrnehmungsprozess.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ergibt sich ein grundlegender Konflikt zwischen der expliziten und der impliziten Wirklichkeit. Wie k\u00f6nnen beide unvereinbar scheinenden Wirklichkeiten sich erg\u00e4nzen und bereichern? Anmerkung: Auch die moderne Psychoanalyse hat im synergetischen Zusammenwirken dieser beiden Wirklichkeiten die Bedingung f\u00fcr psychische Gesundheit erkannt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7.4.&nbsp;&nbsp; Vertrauen<\/h3>\n\n\n\n<p>Bindung in einer regressiven Wirklichkeit kann man nicht durch therapeutische Methoden bewirken, gar erzwingen. Die Regression alleine w\u00fcrde nichts bewirken, wenn nicht Menschen da sind, an die sich das Kind bindet und denen gegen\u00fcber es sein Innerstes \u00f6ffnet, weil es ihnen vertraut, weil es sie als vertrauensw\u00fcrdig erlebt und es sich bei ihnen sicher f\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kinder, die viele Br\u00fcche erleben mussten, haben gelernt, dass sich zu \u00f6ffnen, meist schmerzlich endet. Bevor sie sich wieder \u00f6ffnen, wird das Gegen\u00fcber bis an die Grenzen ausgetestet, ob der andere auch wirklich da bleibt, auch wenn ich mich \u201eauff\u00fchre\u201c. Dieses \u201eda sein\u201c, oder \u201eda bleiben\u201c, h\u00e4ngt nicht an fachlichen Kriterien, nicht an der Ausbildung, nicht an Geschlecht und Alter, sondern ist eine <strong>personale Qualit\u00e4t<\/strong> eines Menschen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass nur derjenige, der sich selbst trauen kann, der nicht in sich abgespaltene Teile hat, vertrauensw\u00fcrdig ist. Kinder sp\u00fcren diese inneren Risse in der Psyche seismographisch.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7.5.&nbsp;&nbsp; Liebe<\/h3>\n\n\n\n<p>Vertrauen schafft den Raum, in dem sich das Eigentliche ereignen kann, die Liebe. Sie ist die unbewusste Kraft, die die Seelent\u00fcre \u00f6ffnet. Ohne Liebe geht in der Welt der Bindung nichts, mag es methodisch noch so perfekt sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Liebe ist jedoch durch nichts zu bewirken, sie wurzelt in der Freiheit und die ist das H\u00f6chste, dessen ein Mensch f\u00e4hig ist. Diese Freiheit anzuerkennen, ja zu lieben, ist das Fundament, auf dem jede Heilung steht. Bindung ist letztlich ein Geschenk.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir mussten leidvoll die Erfahrung sammeln, dass wir auch durch ideale Bedingungen, Bindung nicht bewirken k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen wir uns damit abfinden, dass ein kleiner Teil unserer Kinder in diesem Sinne \u201ebindungsblind\u201c ist, was hei\u00dft, wir m\u00fcssen sie bef\u00e4higen, mit dieser grundlegenden Beeintr\u00e4chtigung zu leben. Neue Chancen bietet die \u201ekognitive Neuprogrammierung\u201c in der Pubert\u00e4t, Bindung auf einem anderen Weg zu \u201eerkennen\u201c und sich bewusst daf\u00fcr zu entscheiden. Wir haben jedoch auch die Erfahrung gemacht, dass dieser Samen einer Bindungserfahrung lange unfruchtbar bleibt und oft sehr viel sp\u00e4ter im Leben \u201eaufbl\u00fcht\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7.6.&nbsp;&nbsp; Heilendes Milieu<\/h3>\n\n\n\n<p>Eine heilende Regression braucht entsprechende Rahmenbedingungen, die ein Zur\u00fcckschwingen in die fr\u00fche Kindheit m\u00f6glich machen. Wir haben diese im Kapitel \u201eHeilendes Milieu\u201c zusammengestellt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7.7.&nbsp;&nbsp; Die abgespaltenen M\u00fctter<\/h3>\n\n\n\n<p>Viele unserer Kinder haben M\u00fctter in der beschriebenen Weise, die selbst in sich bindungsgest\u00f6rt gespalten sind und deren Leben von den damit verbundenen \u00dcberlebensstrategien bestimmt \/ beeintr\u00e4chtigt ist (R\u00fcckzug, Aggression). Ein gro\u00dfes Problem ergibt sich durch die Umgangskontakte, denn dadurch werden die fr\u00fchkindlichen Muster wieder reinszeniert. In den Kindern werden beide Anteile wieder aktiv: der gebundene Teil, der mit Sehnsuchtsgef\u00fchlen an die Mutter verbunden ist, und er ungebundene Teil, der mit fr\u00fchen \u00c4ngsten konditioniert ist, was zu erheblichen Spannungen f\u00fchrt. &nbsp;Die Folgen wirken oft Tage \/ Wochen nach, da fr\u00fche Gef\u00fchle, verbunden mit meist aggressiven \u00dcberlebensmustern wieder auftreten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">8.&nbsp;Prognose<\/h2>\n\n\n\n<p>Bindung im dargestellten Setting wieder zu \u201ereparieren\u201c oder neu zu erm\u00f6glichen, ist m\u00f6glich, bedarf jedoch sehr viel Zeit, Geduld und Durchhalteverm\u00f6gen, und, auch in Krisen, das Kind nicht fallen zu lassen. Prognostisch g\u00fcnstig ist, wenn die M\u00fctter sich selbst auf den Weg machen und ihre eigene Bindungsst\u00f6rung zu heilen versuchen, oder, wenn keine Beziehung mehr besteht. Leidvoll ist, erleben zu m\u00fcssen, wie sich die M\u00fctter selbst, im Konflikt zwischen Sehns\u00fcchten und \u00c4ngsten, immer wieder die falschen Partner suchen und ihre Bindungsst\u00f6rung reinszenieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast alle Kinder kommen mit der Diagnose \u201eBindungsst\u00f6rung\u201c zu uns. Das \u201eBindungssystem\u201c wieder zu \u00f6ffnen und sie bindungsf\u00e4hig zu machen, ist ein erstrangiges Ziel unserer Arbeit. Um handlungsf\u00e4hig zu werden, m\u00fcssen wir die tieferliegenden Ursachen verstehen, die reine Beschreibung einer Bindungsst\u00f6rung hilft dazu wenig. 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